Flüchtlingsinitiative „Hiergeblieben“

Die Billerbecker Flüchtlingsinitiative ‚Hiergeblieben‘ ist 2006 entstanden nach der Abschiebung einer Hindu-Familie aus Afghanistan. Deren Schicksal hat einige Menschen aus Billerbeck unter der Federführung der damals im Beruf stehenden, heute emeritierten Pastorin Renate Langenheder, bewegt, in Billerbeck eine Unterstützer-Gruppe für diese Familie und auch alle anderen Asylbewerber und Migrantinnen zu gründen.

"Der Name unserer Flüchtlingsinitiative ‚Hiergeblieben‘ leitet sich ab von der staatlich umgesetzten Abschiebewelle in 2006, die vor der Gesetzesnovellierung der sog. ‚Altfallregelung‘ zum Ziel hatte, vor allem Angehörige der auf dem Balkan diskriminierten Ethnien der Roma und Ashkali selbst nach 10 bis 15jährigen Aufenthalten in Deutschland wieder in ihre Herkunftsländer abzuschieben.

Aus der Wahrnehmung dieser menschlichen Ungerechtigkeit und Unverhältnismäßigkeit ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit erwachsen, vor allem einzelne Familien dieser Ethnien zu begleiten und ihnen zu helfen, ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland zu erlangen.

Das ist in Einzelfällen gelungen durch Petitionen, die wir eingereicht haben beim Land NRW. Mit anderen Ersuchen sind wir gescheitert und haben große Mühe diese Inhumanität gegenüber den ethnischen Minderheiten der Roma und Ashkali hinzunehmen, die, zurückgeschickt,  in unbeschreiblichem Elend auf dem Balkan ihr Leben fristen müssen, obschon sie in Deutschland zum Teil in Arbeitsverhältnissen standen und ihre Kinder bestens integriert waren.

Im Laufe der Jahre sind auch in Billerbeck, etwa ab 2014/2015  mehr Menschen afrikanischer, syrischer, irakischer, afghanischer und iranischer Herkunft aufgenommen worden, so dass wir in der Flüchtlingsinitiative ‚Hiergeblieben‘ die Notwendigkeit sahen, ein niedrig-schwelliges Angebot für alle ankommenden Geflüchteten zu etablieren, um es den vielen Ankommenden zu ermöglichen, die deutsche Sprache zu erlernen. Aus einem wöchentlich eineinhalb stündigem Sprachkurs im Wintergarten des Kirchenzentrums, über Jahre ehrenamtlich durchgeführt durch ein pensioniertes Lehrerehepaar, hat sich ein qualifizierter, mit Hilfe von Spendengeldern finanzierter Sprachunterricht mit unterschiedlichstem Lehrmaterial entwickelt. Anfänglich waren es 2015 bis zu 40 Sprachpatinnen und Sprachpaten, die es ermöglicht haben, ein sehr komplexes Unterrichtsangebot in Kleingruppen zu verschiedenen Zeiten vorzuhalten.

Die Absicht war,  Geflüchteten und Asylbewerbern, ungeachtet ihrer Herkunft oder ihres aufenthaltsrechtlichen Status, das Erlernen der deutschen Sprache zu ermöglichen. Dieses ist nach unserer Auffassung der erste Schritt, sich in Deutschland zurechtzufinden und kann niemandem vorenthalten werden, der in unser Land kommt, egal mit welcher Bleibeperspektive.
Bis heute finden entsprechende Unterrichte statt, vor allem im Integrationszentrum 'einLaden'
und in den 'Lernwelten', einem Nachhilfe-Lerninstitut, dessen Inhaber uns seit 2015 kostenfrei
seine  Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, wofür wir sehr dankbar sind.

Inzwischen hat sich die Situation insoweit geändert, als durch die staatliche Administration verpflichtende Sprachkurse für Menschen mit hoher Bleibeperspektive eingerichtet sind, die jene auch besuchen müssen, das gilt also für Menschen aus Syrien, dem Irak, dem Iran und aus Somalia und Eritrea. Wir versuchen, auch die Geflüchteten aus Aserbeidschan, Armenien, Mali, Ghana und anderen afrikanischen Ländern mit unserem Sprachangebot zu erreichen und auch jene, die aus welchen Gründen immer, noch auf offizielle Sprachkurse warten müssen.
So ist von allen SprachpatInnen eine hohe Flexibilität gefordert und von unserer Hauptorganisatorin Rosi Dittmar eine große Bereitschaft, immer jeweils passgenaue Angebote für Geflüchtete und Ehrenamtliche hervorzubringen.

Aus den Sprachunterrichten haben sich zum Teil intensivere Beziehungen zwischen Familien, Einzelpersonen und Sprachpaten ergeben, so dass etliche SprachpatInnen jetzt auch unterwegs sind, die Familien und Einzelpersonen im Behördenalltag und bei Arztbesuchen zu begleiten, bei der Berufs- oder Ausbildungsfindung zu unterstützen und bei der Wohnungsbeschaffung und den Umzügen behilflich zu sein.

Etliche  Geflüchtete, die wir begleiten,  konnten bereits mit einer Ausbildung beginnen und brauchen jetzt vor allem Unterstützung bei der Vorbereitung auf die Prüfungen oder brauchen permanente Hilfe, um den Besuch der Berufsschulen erfolgreich zu absolvieren. Wer sich vorstellen kann, in diese stundenweise  Unterstützungsarbeit miteinzusteigen, sollte sich unbedingt bei uns melden oder zum 'Offenen Treff' kommen, jeweils mittwochs, von 18.30 bis 20 Uhr.

Der 'Offene Treff' war anfangs im Evangelischen Kirchenzentrum beheimatet. Seit der Gründung von einLaden vor einem Jahr findet dort, Münsterstraße 1, der 'Offene Treff' statt, bei dem sich  in lockerer  Atmosphäre und in gemütlicher Umgebung Menschen unterschiedlichster Herkunft begegnen, miteinander ins Gespräch kommen, spielen, Beratung suchen oder auch den Kontakt pflegen zu anderen Geflüchteten. Zunehmend wichtig ist, dass dort auch Möglichkeiten zur Konversation in deutsch entwickelt werden, denn vielen Geflüchteten fehlt die Praxis, ihre Deutschkenntnisse auch im Gespräch mit deutschen Leuten zu vertiefen und die Hemmung, Deutsch zu sprechen, zu überwinden.
Wöchentlich im Anschluss an den Offenen Treff hat jetzt auch eine internationale Musik-Combo ihre Probenarbeit in einLaden verlegt.
Aus unserer Initiative kam auch die Anregung, einen workshop zu entwickeln zum Thema 'Wohnen in Deutschland'. In Kooperation mit der St. Georgsstiftung, dem DRK und dem Kommunalen Integrationszentrum hat in einer ersten Sequenz eine Heranführung an diese breit gefächerte Thematik stattgefunden unter der Leitung von Heike Engelmann und Hedwig Lechtenberg. Ein zweiter Abschnitt wird sich anschließen zwischen dem 7. 11. und dem 5. 12. 2017, jeweils dienstags von 15 bis 18 Uhr. Nach einer entsprechenden Evaluation wird entschieden, ob und in welchem Rahmen und wo ein weiterer Kurs zu dieser Thematik angeboten werden kann.
Eine gute Zusammenarbeit besteht auch zwischen der schulischen Sozialarbeit und unserer Initiative. Etliche Sprachpaten geben ergänzende Hilfen beim Unterricht, in der Nach- und Aufbereitung der Inhalte der verschiedenen Fächer. Für viele Kinder und Jugendliche ist es nicht einfach, sich in die hiesige Unterrichtssituation hineinzufinden bei den anfangs auch sehr hohen sprachlichen Hürden.
Hoch erfreut sind wir auch darüber, dass sich eine internationale Fußballmannschaft regelmäßig montags zum Spielen trifft auf dem Gelände am Helker Berg, angeleitet und 'betreut' von einem sehr engagierten, ehrenamtlichen Trainer-Team.

Das Gartenprojekt, das vor eineinhalb Jahren mit viel Elan begonnen wurde, hat sich zu einem Selbstläufer leider nicht entwickelt, weil etliche der in diesem Projekt engagierten Asylbewerber  in Deutschland nicht bleiben konnten und ausreisen mussten.

Das Zusammenleben mit den internationalen Neubürgern Billerbecks ist eine Bereicherung in jeder Weise: Wir lernen andere Kulturen kennen, andere Religionen, wie den Islam, wir gewinnen Anteil an dem individuellen Schicksal vieler und merken, wenn wir Menschen näher kommen lassen, weichen Fremdheit und Nichtverstehen und Vertrautheit und Freundschaft wachsen. Internationales, transkulturelles Zusammenleben funktioniert - im Kleinen auf alle Fälle und sollte sich auf breiterer Ebene bis in die Politik durchsetzen. Es ist in jeder Weise kontraproduktiv, Angst vor 'den Fremden' zu schüren, anstatt Einheimische zu ermutigen, auf sie zuzugehen und zu erleben, wie ähnlich wir Menschen einander sind, egal aus welchem kulturellen oder religiösen Kontext wir kommen.
Dem Kern-Team der Flüchtlingsinitiative 'Hiergeblieben'  gehören zur Zeit 10 Personen an, die sich eng vernetzen und die näheren Belange der Flüchtlingsinitiative entscheiden.

Etwa 20 weitere Personen arbeiten ehrenamtlich als Sprachpaten und in den kulturellen Initiativen.
Als Projektgruppe 'Sprache und Kultur'  sind wir  dem Netzwerk ‚Flüchtlingsarbeit in Billerbeck‘, das im Oktober 2015 gegründet wurde, angeschlossen (www.netzwerk-fluechtlingsarbeit-billerbeck.de)
und sind vernetzt mit dem Flüchtlingsrat im Kreis Coesfeld."

Erste Ansprechpartnerinnen für weitere Informationen:


Renate Langenheder (r.langenheder@gmx.de, Tel: 02543-218782)


Maria Schlieker (m_s_online@web.de, Tel: 02505-9485918)


Ev. Kirchengemeinde
Billerbeck/Darfeld
Ludgeristraße 39
48727 Billerbeck
Tel.: 02543 6206
Fax: 02543 6566
E-Mail: ekbill@t-online.de