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Toten-/Ewigkeitssonntag 2020

Andacht to go in zwei Teilen für den Toten-/Ewigkeitssonntag 2020
von Pfarrerin Dagmar Spelsberg-Sühling als PDF zum Download.

Teil 1 für zu Hause im Warmen
Teil 2 für den Friedhof (oder auch zuhause)


Teil 1: Gedanken zu Hause im Warmen


Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.


EG 376, 1 (Sie können gern singen, wenn Sie mögen)

So nimm denn meine Hände und frühre mich,/ bis an mein selig Ende und ewiglich./ Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt:/wo Du wirst gehen und stehen, da nimm mich mit.

Jemand nimmt mich an die Hand. Jemand, der den Weg kennt. Der für mich sorgt. Der da ist, wenn ich es gerade besonders brauche. Ich fühle mich allein gelassen, weil ein geliebter Mensch von mir gegangen ist. Ich fühle mich isoliert, weil ich nicht wie gewohnt mit meinen Lieben oder Freunden beisammen sein kann.
Ich muss mich neu sortieren. Ich muss meinen Alltag neu gestalten. Ich fühle mich orientierungslos. Es ist gut, dass ich dabei gesehen und bewahrt werde. Es ist gut, dass ich mich einem freundlichen Gott anvertrauen darf. Dieser Gott nimmt mich an meiner Hand und begleitet mich. So finde ich meinen Weg. So finde ich den Weg, der jetzt für mich dran ist. Auf diesem Weg kann ich schimpfen und zornig sein. Gott an meiner Hand hält es sogar aus, wenn ich auf ihn zornig bin. Gott führt mich an meiner Hand, jetzt in der Trauer und bis an mein selig Ende. Ja, sogar darüber hinaus. Er führt mich an meiner Hand ewig- so sagt es das Lied. Gott, von dem wir kommen. Gott, zu dem wir gehen. Ursprung und Ziel. Ewiger Gott. Was hier vergänglich und brüchig war und ist, ist bei Gott aufgehoben damit es heil werde. Im ewigen Gott bleiben wir verbunden, Sterbende und Lebende. Deshalb bin ich nicht allein. Auch wenn ich abends vielleicht alleine in der Wohnung sitze und den Menschen so vermisse, der ein Teil meines Lebens war.
Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt. Wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit. Es gibt ein Nichtalleinsein, ein Gehaltensein, das geht tiefer noch als die Trauer. Wenn Gott tief in meiner Seele ist, ein Begleiter all meiner Schritte – dann bin ich nie ganz im Stich gelassen.

EG 376, 2

In dein Erbarmen hülle, mein schwaches Herz/ undmach es gänzlich stille/ in Freud und Schmerz./ Lass ruhn zu deinen Füßen/ dein armes Kind:/ es will die Augen schließen / und glauben blind.

Gebet

Ich bin schwach, aber du, Gott, bist stark.
Ich bin eingehüllt und geborgen.
Ein großes Erbarmen umgibt mich,
wie ein Schutzmantel, wie ein Schutzschirm, wie ein wärmendes Zuhause.
Obwohl mein Herz schwach ist und voll Schmerz,
kann da Geborgenheit sein.
Ich kann mich fühlen wie ein kleines Kind,
das abends im Wohnzimmer neben seinen Eltern sitzt, eingekuschelt.,
die Körper und Stimmen meiner Eltern lassen mich spüren:
Ich bin zuhause.
Ich bin beschützt.
Ich werde gesehen und bewahrt.
Ich kann nicht die ganze Zeit so unerwachsen,
unselbständig und klein sein.
Ich muss ja nun ganz viel selbst machen,
was vorher sich auf mehr Schultern verteilt hat.
Ich muss nun einen neuen Lebensrhythmus finden und meinen Alltag neu gestalten.
Aber die Trauer besteht gerade darin, dass ich zwischendrin immer mal einen Moment lang so geborgen sein darf wie ein Kind.
Dass ich mich zwischendurch hilflos und ängstlich und überfordert fühlen darf.
Dann ist da einer, der mich hört, der mich tröstet, der mich stärkt.
Der meine Schwachheit aushält

EG 376,3

Wenn ich auch gleich nichts fühle/ von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele/ auch durch die Nacht: / so nimm denn meine Hände/ und führe mich/ bis an mein selig Ende/ und ewiglich.

Manschmal ist Gott ganz fern. Ich fühle nichts von seiner freundlichen und helfenden Nähe. Das ist nicht leicht auszuhalten.
Ich brauche doch Glaube, Liebe und Hoffnung.

Ich brauche doch die Fülle Gottes, damit ich mich nicht so leer fühle. Und wenn da schon ein geliebter Mensch fehlt und ich mich sowieso schon so angegriffen und allein gelassen fühle – wenn dann auch noch Gott nicht da ist, das geht über meine Kräfte. Wir können nicht vorhersehen, was in solchen Situationen hilft. Es gibt unterschiedliche Erfahrungen, wann und wie man da raus kommt. Aber letztendlich hilft vor allem: es muss einfach ausgehalten werden. Unser Lied sagt: gut, ich mag nichts fühlen von deiner Nähe. Du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht.
Das haben viele erfahren. Und ich sage es mir immer wieder und bete dann und singe.
Und irgendwann ist die Nacht zu Ende. Irgendwann beginnt der neue Tag. Irgendwann kann ich die Nähe Gottes wieder fühlen und merke dann: ja, sie war da, auch als ich sie nicht fühlen konnte. Und dann nimmt das Lied den Anfang wieder auf: Ich will mich von dir, Gott, an der Hand nehmen lassen. Ich will mich von dir führen lassen. Führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Heute am Totensonntag denke ich auch daran, dass ich selbst sterblich bin und mein Tun und Lassen ein Ende haben wird.

Ich habe Angst davor, wie das sein wird. Aber der Gedanke erlöst auch von all den unwichtigen Dingen um die ich mich manchmal kümmere. Ab und an darüber nachzudenken, dass mein Leben kurz und endlich ist, ist erschreckend, aber auch heilsam. Es richtet meinen Blick auf das, was wirklich wichtig ist.

Manchesmal kann ich das ahnen, in einem Moment, wo mich die Ewigkeit berührt. Was zählt, ist die Liebe, die schönen Dinge, die wir miteinander erlebt haben, wo ich mich für die Erde und jedes Lebewesen eingesetzt habe, alles, was meine Seele genährt hat und nährt. Dass ich nicht daran vorbei lebe, mich immer daran erinnere.

Und wenn es mir grade fern ist, dann kann ich mich von anderen daran erinnern lassen, z.B. durch diese Andacht für mich selbst/uns selbst: Gott will uns verwandeln, damit wir Bürger im Himmel sein sollen. So ist dieser Totensonntag ist nicht nur eine ernste und traurige Sache. Er lädt mich auch ein, nicht zu klein zu denken vom Leben. Es ist größer, als ich sehen kann.

Ich kann deshalb vertrauensvoll meine Hand
in die Hand dieses großen und starken Freundes legen.
Amen!

EG 147,3: (Wachet auf, ruft uns die Stimme)

Gloria sei dir gesungen/ mit Menschen- und mit Engelzungen,/ mit Harfen und mit Zimbeln schön./ Von zwölf Perlen sind die Tore/ an deiner Stadt; wir stehn im Chore/

Der Engel hoch um deinen Thron. / Kein Aug hat je gesehn,/ kein Ohr hat mehr gehört/ solche Freude. / Des jauchzen wir und singen dir / das Halleluja für und für. (Offenbarung 21,21)

Ein Link zum Anhören

Teil 2: Auf dem Friedhof mit Angehörigen
(ggf. zu Hause, allein oder per Telefon)

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten,
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
Aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke


„Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.“
So heißt es im Jesajabuch Kapitel 66


Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.

In Wind und Kälte stehen wir/ stehe ich hier auf dem Friedhof,
wir gedenken unserer Verstorbenen.
Sie liegen hier auf diesem Friedhof oder auf anderen Friedhöfen.
Wenn wir so über die Gräber schauen,
werden es immer mehr Namen, mit denen wir ein Gesicht verbinden können.
Hier auf dem Friedhof sind wir ihnen besonders nah.
Und durch sie wird dieser Friedhof und jeder Friedhof ein vertrauter Ort.

Diese Menschen verloren zu haben, macht uns traurig.
Es schmerzt, weil wir eigentlich nicht gut ohne sie leben können.

Hilde Domin, eine jüdische Dichterin, hat viel Schmerz zu verarbeiten gehabt. In ihrem Gedicht „Die schweren Wege“ sagt sie, dass sie in ihrer Trauer manchmal einen Freundeskreis um sich spüren kann. Und dieser Freundeskreis besteht aus Toten und Lebenden. Die Toten sind die, die schon ein wenig von ihr weggerückt sind und die Lebenden sind die, um die sie sich tagaus tagein Sorgen machen muss. Sie spricht von den verlierbaren Lebenden und den unverlierbaren Toten. Aber egal, ob die vertrauten Menschen tot oder lebendig sind, sie gehören zu ihr, stellt sie fest. Ja, sie flüstern ihr ihre Weisheiten ins Ohr. Es gibt diese unverlierbare Verbindung zu unseren Ahnen, unseren Blutsvorgängern und zu den Menschen, die wir uns im Laufe unseres Lebens vertraut gemacht haben. Wir sind eingeladen, sie alle in unserem Freundeskreis zu haben. Sie sind unsere Freunde und unsere Schwestern und Brüder in Jesu Namen, ob sie leben oder verstorben sind. Wir gehören mit ihnen vor Gott zusammen.
So sind wir jetzt einen Moment still und gedenken an …. Name oder Namen, die wir/ich schmerzlich vermisse(n): ...

---Stille---

Es ist auch klar: Wir müssen unseren Weg weitergehen. Die Erinnerung prägt uns. Aber wir müssen unser Leben hier nun allein leben und das Beste daraus machen.

Gebet:

Gott der Hoffnung, zu dir kommen wir mit unserer Trauer um unsere Toten: Schenke uns die Gewissheit, dass sie in deinem Frieden geborgen sind. Schenke uns, dass wir uns im Guten an sie erinnern können. Und lass uns spüren dann und wann, dass wir, wenn das Band der Liebe da war, immer noch mit ihnen verbunden sind. Ja, sie sind uns nah und flüstern uns zu, was sie selbst an Trost und Hoffnung erfahren haben.
Bei manchen Verstorbenen ist der Abschied noch nicht lange her. Die Schwere des Todes wirkt in uns nach. Der Abschied schmerzt wie eine Wunde. Gib uns Trost, guter Gott. Lass uns/ lass mich ohne …. weiterleben können, denn wir müssen/ ich muss es ja.
Lass uns / mir dafür Kraft zufließen. Lass uns aufmerksam werden auf alles, was wir einander und anderen Gutes tun können.
Du wunderbarer, ewiger Gott. Du hast dem Tod die Macht genommen. Auferstehung und das ewige Leben sind deine Gaben. Das glauben wir und haben Hoffnung: Hoffnung für unsere Toten. Hoffnung für uns. Hoffnung für alle Toten. Wir rufen zu dir: Erbarme dich. Amen.
Amen.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
Wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
Vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit.
In Ewigkeit. Amen

Gott segne und behüte uns/ mich,
er gebe uns/ mir die Kraft, seinen Weg zu gehen.
Er gebe uns/ mir Augen für das Glück,
dass er uns/ mir jeden Tag neu schenken will.
Amen.

Von Guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag,
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen,
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.