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Montagsgebet 12. April 2021

vorbereitet von Peter Nowak als PDF.

Der Friede Gottes sei mit uns allen.

Amen.

„Macht euch keine Sorgen. Im Gegenteil: Wendet euch in jeder Lage an Gott. Tragt ihm eure Anliegen vor in Gebeten und Fürbitten und voller Dankbarkeit.

Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, soll eure Herzen und Gedanken behüten. Er soll sie bewahren in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.“

Mit diesen Worten aus dem Brief Paulus an die Philipper heiße ich Sie alle herzlich willkommen zu unserem ökumenischen  Friedensgebet am  Montag hier im Dom zu Billerbeck.

Lasst uns beginnen im Namen Gottes
des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.

1.Wir zünden die erste Kerze an.

Diese brennt heute für die Menschen, die besonders an den sozialen und psychischen Folgen der Coronapandemie leiden.

Die "seelische Inzidenz" steigt, so der  Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Er fordert daher mehr Aufmerksamkeit für die sozialen und psychischen Folgen der Coronapandemie. Er spricht vom „seelischen Ruin.“

Nach seinen Angaben sind die Anfragen bei kirchlichen Beratungsstellen in der Pandemie um 70 Prozent gestiegen.

Von den Kinder in den Kitas und Schulen bis zu den „Alten“ in den Pflegeheimen oder in der eigenen Wohnung. Jeder leidet auf eine andere Art.

Die Pandemie ist nicht nur ein medizinisches und wirtschaftliches Problem.

Gebet:

Allmächtiger Gott,

du weißt um die Angst vieler Menschen in dieser schweren Zeit. Tröste alle, die um die Opfer  trauern. Heile die verwundeten Seelen.
Großer  Gott, erfülle uns mit dem Geist der Besonnenheit und der Hoffnung.

Gib uns die Kraft, mehr über die wichtigen Dinge im Leben nachzudenken.
Dies sind keine Smartphones, Fernseher, brandneue Autos oder  große und beeindruckende Häuser. Es ist unmöglich, die wertvollsten Dinge bei der Bank zu finden. Sie können diese Dinge
nicht online bestellen. Die wertvollsten Dinge  -  Freundschaft und Liebe, einen  lieben Menschen einfach in den Arm nehmen zu können -  diese Dinge sind kostenlos.

Barmherziger Gott, gib du uns die Kraft diese Wertigkeiten im Leben zu erkennen, damit auch die „soziale Inzidenz“ wieder  sinkt.

Herr erhöre uns.

Herr erhöre uns.

2. Wir zünden die zweite Kerze an.

Die 2019 gegründete Initiative "Maria 2.0" setzt sich für mehr Beteiligung und Rechte von Frauen in der katholischen Kirche ein. Sie fordert mehr Gleichberechtigung von Frauen und ihren Zugang zu allen kirchlichen Ämtern. Ausgangspunkt von Protesten und Kirchenstreiks durch Ehrenamtliche  war vor zwei Jahren Münster. Die zwei Initiatorinnen der Reformbewegung Maria 2.0 aus Münster - Lisa Kötter und Andrea Voss-Frick -  wollen nun die katholische Kirche verlassen. Ihr Frust ist einfach zu groß geworden, sie können es mit ihrem Gewissen nicht mehr vereinbaren.

Eigentlich hatten die beiden Frauen die Katholische Kirche verändern wollen - beide sind nach eigenen Angaben bekennende Katholikinnen. Maria 2.0 und der sexuelle Missbrauch durch Geistliche in der Kirche lässt die Kirchenaustritte explosionsartig ansteigen. Beide christliche Kirchen haben in den letzten Jahren  jeweils mehr als eine Viertelmillion Mitglieder verloren.  Zur Zeit gehen die Zahlen dramatisch nach oben, insbesondere im Bistum Köln, wo Kardinal Wölki einen unglaublichen Vertrauensverlust bei den Christinnen und Christen verursacht. Nicht nur jüngere Menschen verlassen die Kirche massenhaft. Viele davon bekennen sich ausdrücklich zum christlichen Glauben, haben aber kein Vertrauen mehr in die Institution Kirche.

Das macht uns sehr nachdenklich. Sind doch die Kirchen die Stützen der Gesellschaft im Glauben, in ethischen und moralischen Fragen. Oder sind diese Stützen schon eingebrochen?

Gebet:

Allmächtiger Gott,

du liebst alle Menschen gleich, egal ob sie Männer oder Frauen sind. Im Brief  an die Galater -  2.28 – schreibt der Apostel Paulus:

„Es spielt keine Rolle mehr, ob ihr Juden seid oder Griechen, Sklaven oder freie Menschen, Männer oder Frauen. Denn durch eure Verbindung mit Christus Jesus seid ihr alle wie ein Mensch geworden.“

Großer Gott,

gib allen Verantwortungsträgern in der Kirche die Kraft, die Kirche so zu verändern, dass sich alle Gläubigen in ihr wiederfinden, auch die Vertreterinnen von Maria 2.0. Die Resignation und der Austritt gläubiger Christen aus der Kirche macht uns nachdenklich. Die Kirche muss sich verändern und auf die Menschen zugehen, damit sie auch zukünftig  das Evangelium, die Frohe Botschaft vom Heil Jesus Christus und seiner Lehre von Liebe, Wahrheit und Weisheit verkünden kann.

Darum rufen wir dich an:

Herr erhöre uns.

Herr erhöre uns.

3. Wir zünden die dritte Kerze an.

Diese Kerze brennt für die Menschen in Myanmar.

Anfang Februar putschte in Myanmar das Militär und beendete damit vorerst eine zehnjährige Phase der Demokratisierung in dem südostasiatischen Land. Doch in der Bevölkerung regt sich Widerstand gegen die Militärregierung. Das Militär schlägt die Proteste mit brutaler Gewalt nieder. Jede Nacht verhaftet das Militär grundlos Menschen. Friedliche Protestierende drängen sie mit Schlägen, Wasserwerfern, Gummigeschossen und sogar mit scharfer Munition zurück. Es wird gezielt auf Demonstrierende geschossen, auch auf Kinder.

Hierbei sollen mehr als 700 Menschen ums Leben gekommen sein,

Tausende wurden verschleppt und eingesperrt. Nun droht eine Flüchtlingskrise und ein Bürgerkrieg.

Nach Angaben der Militärregierung sind 19 Menschen zum Tode verurteilt worden. Es handelt sich um die ersten bekanntgewordenen Todesurteile, seitdem das Militär am 1. Februar gegen die Zivilregierung geputscht hatte.

Gebet:

Herr, unser Gott:
Die Menschen in Myanmar leiden  an der Unterdrückung durch das Militär.

Sie leiden an Unmenschlichkeit und Lieblosigkeit.
Sie leiden an jedem Schlag und an jedem Schuss.
Wir betrachten diesen Konflikt  mit Angst und Sorge.

Wir bitten dich für alle Menschen,
die von der gewaltsamen Auseinandersetzung betroffen sind:
- für die zahllosen Opfer, die ihr Leben lassen müssen,
- für die Familien, die um Menschen bangen,
- für die Frauen und Kinder, die unter der Gewalt und den katastrophalen Verhältnissen besonders leiden und zu unschuldigen Opfern werden,
- für die vielen Opfer, die durch Verwundung Schmerzen leiden oder durch die Grausamkeit verstört sind,
- für die Politikerinnen und Politiker, die vom Volk
gewählt und jetzt im Hausarrest oder in Haft sind.
Herr, gib den Unterdrückern die Einsicht, dass ihr Handeln grausames Unrecht ist und  möglichst schnell beendet werden muss.

Herr, wir bitten auch für uns:
Lass uns immer wieder neu für den Frieden beten.
Lass uns immer wieder den Mut finden,
uns für den Frieden einzusetzen,
- durch verbindende Worte und Taten,
- durch Teilen,
- durch Abbau von Trennendem
- und vor allem: durch Widerstehen der Gewalt.
Schenke uns dazu die Kraft und deinen Segen.

Schenke den Wunden der Welt Heilung
durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der die Welt mit dir versöhnt hat.

Herr erhöre uns.

Herr erhöre uns.

4. Wir zünden die vierte Kerze an.

Der Regenwald in Brasilien ist der größte der Welt - doch er wird immer kleiner: Zwischen August 2019 und Juli 2020 wurden im Amazonasgebiet mehr als 11.000 Quadratkilometer Dschungel zerstört, wie die brasilianische Weltraumbehörde  auf Basis von Satellitenbildern mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Abholzung um 9,5 Prozent. Die gerodete Fläche ist größer als der Inselstaat Jamaika.

Der Regenwald am Amzonas gilt als "grüne Lunge" der Erde. Weil er immense Mengen CO2 binden kann, hat er auch für das Weltklima große Bedeutung.

Gebet:

Allmächtiger Gott, Schöpfer der Welt,

von Dir geht alles Leben aus. Voller Sorge blicken wir auf die Zerstörung unserer Natur und ihrer Ressourcen. Wir sind mit unserer Lebensweise für diesen Zerstörungsprozess mit verantwortlich. Wir bitten Dich:  Befreie uns aus scheinbaren Zwängen und hilf uns zur Umkehr auf  neue Wege.

Barmherziger Gott,

Du gibst Orientierung. Voller Sorge blicken wir auf die Maxime des unbegrenzten Wachstums, auf die Folgen für unsere Region, auf den Verlust von menschengerechten Arbeits- und Lebenswelten, von Marktprinzipien, die nicht nach Zukunft fragen. Sie zerstören das ökologische Gleichgewicht. Sie belasten Mensch und Umwelt. Wir bitten Dich:

Gib Einsicht und Klarheit denen, die in Billerbeck, in Nordrhein-Westfalen, in Deutschland und weltweit Verantwortung für die Zukunft tragen. 

Wir bitten Dich: 

Gib, dass der Einsatz für den Erhalt Deiner Schöpfung Menschen verbindet und nicht trennt. Stärke alle, die sich vermutlich Anfang November diesen Jahres auf dem nächsten Weltklimagipfel im schottischen Glasgow um die Rettung unseres Klimas streiten.

Du, Schöpfergott, Geist der Wahrheit und der Kraft. Dir legen wir den Klimagipfel 2021  und alle, die hier Verantwortung tragen, ans Herz.

 Amen.

Herr erhöre uns.

Herr erhöre uns.

5. Wir zünden die fünfte Kerze an.

Krieg, Hunger, Seuchen: Seit Jahren spielt sich im Jemen eine humanitäre Katastrophe ab. Ein Bürgerkrieg; dieser begann vor 17 Jahren,  im Juni 2004 mit dem Aufstand der Huthi, einer politisch-militärischen Bewegung schiitische ausgerichteter Islamisten gegen die jemenitische Regierung.

Die  Huthi-Rebellen werden  vom  Iran unterstützt und greifen immer wieder mit

Drohnen und Raketen in Saudiarabien an. Das sunnitische geprägte Königreich Saudiarabien kämpft im benachbarten Jemen gegen die Huthi und will den Einfluss des Iran in der Region zurückdrängen. Von daher spricht man auch von einem Stellvertreterkrieg. Waffenlieferungen an die Konfliktparteien heizen den Konflikt weiter an.

Die Bundesregierung hat im Jahr 2020 Rüstungsexporte für mehr als eine Milliarde Euro an Länder genehmigt, die in die Konflikte im Jemen oder in Libyen verwickelt sind. Seit Beginn des Krieges hat sich die humanitäre Lage im Jemen weiter dramatisch verschlechtert. Laut Angaben der Vereinten Nationen gibt es derzeit 3,6 Millionen Binnenflüchtlinge. Über 24 Millionen von insgesamt ca. 30,5 Millionen Menschen benötigen humanitäre Unterstützung. Mehr als 20 Millionen Menschen – das sind mehr als 2/3 der Gesamtbevölkerung -  haben keinen sicheren Zugang zu Nahrung. 14,4 Millionen Menschen benötigen sofortige Unterstützung, um ihr Überleben zu garantieren und knapp 311.000 Kinder  leiden an schwerer akuter Unterernährung.

Diese Zahlen machen uns sehr  nachdenklich.

Gebet:

Allmächtiger Gott,
höre unsere Stimme und die Stimme der Opfer aller Kriege und aller Gewalt unter Menschen und Völkern.
Höre unsere Stimme
und die Stimme aller Kinder,
die leiden und weiter leiden werden,
solange Menschen ihr Vertrauen auf Waffen und Kriege setzen. Höre unsere Stimme, wenn wir dich bitten,
die Herzen aller Menschen zu erfüllen
mit der Weisheit des Friedens, der Kraft der Gerechtigkeit und der Freude der Gemeinschaft.
O Gott, höre unsere Stimme,
und schenke der Welt deinen ewigen Frieden.

Herr erhöre uns.

Herr erhöre uns.

6. Wir zünden die sechste Kerze an.

Diese Kerze brennt – wie immer während des Montagsgebetes –  für die Anliegen, die uns ganz persönlich  berühren. Wir beten  in aller Stille.

Wir freuen uns aber auch über jeden Beitrag aus unserer Mitte, der hier für uns alle hörbar vorgetragen wird.

Gebet:
Der Herr ist gnädig und barmherzig; seine Geduld hat kein Ende und seine Liebe ist grenzenlos! Der Herr ist gut zu allen und schließt niemand von seinem Erbarmen aus, denn er hat allen das Leben gegeben.
 Auf das Wort des Herrn kann man sich verlassen, und was er tut, tut er aus Liebe. Wer keinen Halt mehr hat, den hält der Herr; und wer schon am Boden liegt, den richtet er wieder auf.

(aus Psalm 145, Verse 8, 9, 13 und 14)

Herr erhöre uns.

Herr erhöre uns.

7. Wir zünden die 7. Kerze an.

Diese Kerze brennt  -  wie jeden Montagabend -  für unsere Dankbarkeit.

Heute danken wir allen Menschen in Billerbeck, aber auch darüber hinaus, die sich für alte und einsame Menschen engagieren, die in dieser Pandemie ohne fremde Hilfe nur sehr schlecht oder gar nicht zurecht kämen.  Sofort nach Ausbruch der Pandemie boten viele jüngere Menschen denen Hilfe an, die sie brauchten. Es wurden Einkäufe getätigt, Behördengänge erledigt, Fahrten zu Arztbesuchen oder Impfungen organisiert.  Ältere Menschen wurden angerufen, um Ihnen in der Einsamkeit zu helfen.

 Das Ziel war, ihnen zuzuhören, ihnen Hilfe anzubieten und sie so ein bisschen aus der Isolation zu befreien. Darüber haben sich viele sehr gefreut.

Sprechen wir allen unseren Dank aus, die sich an diesen Aktionen beteiligt haben und zukünftig beteiligen werden.

So beten wir nun gemeinsam wie Jesus uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen:

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

„Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten,

denn du unser Gott alleine.“