Newsletter Kontakt Spenden

Karfreitag 10.April

Biblisches Votum für Karfreitag, 10.04.2020

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen geborenen Sohn gab,auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,sondern das ewige Leben haben.“(1. Joh.3, 16)

Eröffnung

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet

Herr Jesus Christus, es ist so tröstlich und doch zugleich widersinnig: dieses wunderschöne Frühlingswetter, das Vogelgezwitscher und Wachsen und Blühen rundherum –und dagegen die Isolation zu Hause, die Nachrichten von den steigenden Zahlen an Menschen, die am Coronavirus erkranken, sogar sterben.

Und dabei weiß ich, dass es uns hier im Westmünsterland ja noch recht gut geht. Welche Ängste werden umgehen bei den alten Menschen in Italien, in der Hoffnungsstadt New York, bei den Wanderarbeitern und in den Slums von Indien, bei den Menschen, die in Griechenland, der Türkei und vielen an-deren Ländern der Welt eng gedrängt in Flüchtlingslagern zusammensitzen?

Ob es so widersinnig auch bei Dir damals war?
Einerseits eine Welt voller Lebensmöglichkeiten, andererseits Spannungen, die sich zuspitzten, Gefahr und dann Dein Tod?
Klar, es war ganz anders. Es war keine Krankheit.  Es waren politische Stimmungen und Machtinteressen. Aber die spielen auch jetzt in der Pandemie-Bewältigung eine Rolle, so unbegreiflich, wie das eigentlich ist.

Eines weiß ich: Auch Du hast gelitten an der schlimmen Situation, die du nicht ändern konntest, auch Du hast Gott, den Du Abba nanntest, dein Leid geklagt. –Und dann bist Du Deinen Weg gegangen, für uns. Nie mehr sollen wir hoffnungslos sein, niemals uns allein fühlen müssen, sondern: dem Leben trauen, das Gott gibt und: das Leben suchen, das Gott will und: Geist und Verstand und Herz nutzen, damit das Leben Raum greift, wie Gott es gibt. Dein Kreuz: ein Lebens-Baum.
Daran will ich mich halten, in diesen Lebensbaum möchte ich hinein wach-sen, mit ihn möchte ich strahlend blühen für das Leben in dieser Welt. Amen.

Lied für den Tag

EG 91 Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken (Melodie: Herzliebster Jesu)

1) Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen.

2) Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden, an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen:

3) welch wundervoll hochheiliges Geschäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde.

4) Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;Gott ist die Lieb und lässt die Welt er-lösen.Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken.

5) Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden ein Ärgernis und eine Torheit wer-den: so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,die Weisheit Gottes.

7) Da du dich selbst für mich dahin gegeben,wie könnt ich noch nach meinem Willen leben? Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre,zu deiner Ehre.

Text aus der Bibel

Predigttext zum Karfreitag

Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben, dass einer für alle gestorben ist und so alle gestorben sind.
Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde. Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr.
Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt.
Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
(Paulus in 2. Korinther 5, 14-20; Evangelium des Sonntags:Johannes 19, 16-30)

Gedanken zum Weiterdenken

Jesus  am  Kreuz  als  der  Beginn  von  etwas  ganz  Neuem,  als  der  Beginn  eines Lebens mit der Qualität der Ewigkeit?
In der Schule bei meinen SchülerInnen, die nicht sehr religiös geprägt sind, löst das  immer  wieder  Unverständnis  aus.  Die  Botschaft  Jesu,  seine  Predigt  vom Reich Gottes und seine Handlungen, die spürbar machen, wie es bei uns ankommt, damit können sie etwas anfangen. Aber dieses Kreuz? Das ist schlimm. Weder der Gedanke einer freiwilligen Hingabe Jesu, noch gar der Gedanken, dass Gott solch ein Opfer in irgendeiner Weise wollen könnte, scheint ihnen akzeptabel. Sie haben sich mit dem historischen Kontext beschäftigt. Sie haben  eine  ferne  Vorstellung  davon, was  der  Tod  am  Kreuz bedeutet.  Und  sie können  dem  nur  widersprechen:  das  darf  nicht  sein! -Sie  haben  ein  gutes Gespür für die Tiefe der Demütigung, die diese Handlung vor allem natürlich für den Gekreuzigten, aber auch für das Mensch-Sein bedeutet. Und sie spüren auch die Würdelosigkeit derer, die so etwas tun. Ich bin an der Stelle dank-bar,  dass  diese  jungen  Menschen das  Kreuz  ernst  nehmen  und  es  nicht „fromm“ als eine Gegebenheit hinnehmen. Denn so spüren sie: Jesu Tod am Kreuz  rebelliert gegen  alles,  womit  Menschen  einander  in  ihrer  Menschenwürde entgegen stehen.

Ich erinnere mich an die Zeit, als ich jung war. Als Studentin in einem Seminar ging es um die Frage, wie Jesu Mensch-Sein zu verstehen ist, ob er als Sohn Gottes wirklich auch ganz und gar einer von uns war.Für mich war es ein Moment tiefer Erkenntnis: Ja, sein Mensch-Sein umschließt die Sünde, denn Jesus war ganz und gar Mensch wie er ganz und gar Gottes Sohn ist.Und als Mensch kennt er das Gefühl der Ferne von Gott, ja der Gottverlassenheit. Die Professorin sah das anders und schaute mich strafend an: nein, darin unterscheidet sich Jesus von uns: Sünde, das passt nicht zu ihm.Bei allem Respekt: ich denke doch, dass Jesus wirklich ganz Mensch war, einer wie wir–und es tröstet mich, dass er am Kreuz das Gefühl der Gottverlassenheit hinausschreit: „Mein Gott, warum  hast  du  mich  verlassen?“  Jesus  ruft  Worte  eines  Gebetes,  das  den Menschen seiner Zeit geläufig war (Psalm 22).In seiner Gottverlassenheit am Kreuz aber, da klammert er sich an die Stärke Gottes, die den hört, der sich verzweifelt  (nur  noch)  an  ihn  wendet.  Er  hat  das  Alte,  die  Gottverlassenheit mitgetragen, die wir manchmal schmerzlich spüren, für die Welt oder in uns. Er hat die Gottverlassenheit Gott ans Herz geschrien.
Und das macht alles neu, macht die ganze Schöpfung neu, macht uns zu einer neuen  Kreatur,  wie  Paulus  sagt:  Gott  hat in Jesu  die  Gottverlassenheit  aller Menschen angenommen. So unglaublich es klingt: es gibt keine Gottverlassenheit mehr, auch wenn es Menschen gibt, die Gott den Rücken zukehren und die Welt und die Menschheit verachten. Gott hat in Jesu Kreuz die Gottverlassenheit angenommen und schenkt: Versöhnung.
Versöhnung macht das Leid nicht ungeschehen. Versöhnung nimmt es mit ihm auf, lässt  sich  von  Leid  und  Ungerechtigkeit  nicht  unterkriegen.  Versöhnung bleibt dem Leben auf der Spur.

Das  ist  nicht  leicht,  wenn  die  Verletzung  schwer  ist.  Das  braucht  schon von Karfreitag bis Ostern. Aber es geht.Am Kreuz wird das Wort der Versöhnung aufgerichtet und wir sind eingeladen, die  (Auf-)Erstehung  dieser  Versöhnung  zuzulassen  in  dieser  Welt,  an  jedem Tag –und ganz besonders in schweren Zeiten.

Bitten zum Weiterbeten

Gott, zwischen Krippe und Kreuz hast Du in Christus das Mensch-Sein durchbuchstabiert. Es ist so schwer zu glauben, aber du willst uns damit wohl sagen: es gibt keinen Ort, es gibt keine Situation, wo wir uns nicht an dich wenden dürfen.  Unter  widrigsten  Umständen  bist  Du  so  nahe  wir  im  Moment  von Glückseligkeit.
O ja, es ist mir klar, dass da eine große Gefahr ist. Das Virus ist hoch ansteckend und für viele Menschen lebensbedrohend. So sehr, dass auch unsere Mediziner großen Respekt haben. Aber es kommt so leise daher, schleicht sich an, ohne  Gewitterwolken,  ohne  Sturm,  ohne  Sirenen.  Das  ist  verstörend.  Wie werde ich merken, wenn die Gefahr vorüber ist?Ich denke an Schulkameraden, Arbeitskollegen, Freundinnen und Freunde, sogar  an  Menschen,  die  ich  nur  im  Vorbeigehen  sah,  aber  doch  zuverlässig an jedem Tag. Dir befehle ich sie an: behüte und bewahre sie bis wir uns wiedersehen.
Ich denke an Menschen, die jetzt in Alarmbereitschaft sind, die mit Kranken in Quarantäne sind, zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen, die im Krankenhaus im Einsatz ganz direkt an Patienten gegen das Virus kämpfen.
Ich denke an Menschen, die sich große Sorgen machen, weil alles stille steht. Die nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen, wenn es nicht bald weiter geht und sie für ihren Lebensunterhalt sorgen können.
Ich denke an Menschen, denen die Decke auf den Kopf fällt, deren Gedanken nicht aufhören zu kreisen, die innerlich rastlos sind und keine Ruhe finden können.
Ich denke an diejenigen, die Entscheidungen zu treffen haben für uns alle: die Politiker und Politikerinnen, beraten von vielen Experten.
Sei  da  in  schweren  Stunden,  sei  ansprechbar  für  Klage  und  Sorge,  schenke Kraft, Liebe und Besonnenheit.
Hilf mir, guter Gott, mit meinen Sorgen und Ängsten umzugehen, mit meiner Sehnsucht nach Nähe –lass meine Seele Ruhe finden, auf das neue Ideen sich einstellen und neue Kraft auch jetzt das Leben und die Möglichkeiten zu feiern, so wie Jesus es uns lehrte. Amen.

Mit Jesus beten

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. 
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit In Ewigkeit.
Amen.

Segen

Es segne Dich Gott,
örtlich isoliert im Haus doch nicht allein,
denn der HERR behütet dich.

Es lasse Gott leuchten sein Angesicht über dir,
in  Sorge,  Angst  und  Unruhe  manchmal  in  Düsternis  umfangen doch vom Licht des Lebens,
das er gnädig in der Geste des anderen dir zeigt.

Es schaue Gott dich an, mit manchen Gedanken, die in Dir keimen, was du doch tun, wie du Kontakt aufnehmen kannst mit dieser Welt, darfst Du Hoffnung nähren und Mut.

Gott gebe Dir Frieden, Dir und deinen Gedanken, den Deinen und den Fremden.
Er gebe Dir Frieden und der ganzen Welt.

So segne Dich Gott, der Vater durch den Sohn im Heiligen Geist. Amen