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Gottesdienst 16.August

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Gottesdienst für den 16.08.2020 Israelsonntag

Lit. Eröffnung

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. AmenUnsre Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Begrüßung

Sehr herzlich grüße ich die Gemeinde unter Corona-und Hitzebedingungen in unserer Kirche und grüße alle, die den Gottesdienst im Internet verfolgen.
Heute ist Israelsonntag. Immer ist der 10. Sonntag nach Trinitatisdem Gedenken des Verhältnisses der Kirche zu Gottes erstem Bundesvolk gewidmet. Dass es ein belastetes und schwieriges Verhältnis ist, dürfte hier niemandem neu sein. Es ist eine leidvolle Geschichte. Ich werde nachher in der Predigt darauf eingehen. Die Predigt habe ich verfasst als einen Brief an den Apostel Paulus. Er dient uns mit einem Abschnitt aus dem Römerbrief als Gegenüber. Sie haben diesen Text in Händen.
Aber wir wären keine Christen, wenn wir nicht inständig darum bäten, dass Gott selbst mit Frieden in diese Beziehung zwischen Juden und Christen käme, auch in diese unselige Bewegung des Antisemitismus, die nicht auszurotten zu sein scheint.
So haben wir auch jetzt nichts so sehr nötig wie den Gruß:
Der Herr sei mit Euch!

...

Der für heute vorgesehene Psalm ist der 122.

Psalm: Ein Segenswunsch für Jerusalem

Von David, ein Wallfahrtslied. Ich freute mich über die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Hause des HERRN! Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem. Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll, wohin die Stämme hinaufzie-hen, die Stämme des HERRN, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Na-men des HERRN. Denn dort stehen Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David. Wünschet Jerusalem Frieden!Es möge wohlgehen denen, die dich lieben! Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen! Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen. Um des Hauses des HERRN willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.

Gebet

An dem Tag, der dir gehört, Ewiger Gott, sind wir hier versammelt in der Kirche.
Auf Abstand wie in dieser Zeit üblich.
Wir bitten dich, nimm dich unsrer an, jetzt, heute.
Schenke uns Sammlung der Gedanken auf dich hin und auf deine Geschichte mit deinem ersten und zweiten Bundesvolk.
Lass es geschehen, dass wir uns deinem Wort öffnen können.
Lass es geschehen, dass dein Wort uns berührt,dass es uns bewegt, vielleicht auch Haltungen in uns verändert.
Vor allem möge es geschehen, dass wir bei dir bleiben,
wie du bei uns bleibst, uns segnest mit der Kraft zum Tun des Notwendigen.
Komm zu uns gnädig.
Wir bitten das auch für dein erstes Bundesvolk, durch Jesus Christus. Amen

Lesung: Epistel, Röm. 11,25-32 (zugleich Predigttext)

Epistel im Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom im 11. Kapitel25

Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. 26 Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob. 27 Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.« 28 Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. 29 Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. 30 Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid,nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehor-sams, 31 so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. 32 Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

Glaubensbekenntnis

Lied 246, 3+2+6

Predigt mit Röm. 11, 25-32 in Briefform, 16. 08. 2020, Billerbeck

Lieber Paulus, nach der liturgischen Ordnung unserer Kirche ist unsein Abschnitt aus deinem berühmten Brief an die Römer aufgetragen worden,dass wir mit diesem Text heute, am 16. August 2020 predigen sollen. Wir haben vorhin diesen Textabschnitt in der Lesung gehört. Und die Menschen, die den Gottesdienst heute besuchen, haben den Text auch vor sich liegen. Es ist dein Beitrag aus alter Zeit zum sogenannten Israel-Sonntag desJahres 2020. An diesem Sonntag soll immerdas Verhältnis von Juden und Christen bedacht werden.

Wir sind hier heute in Billerbeck nur ein kleine Gemeinde.
Es ist heiß und schwül. Da gehen nicht viele aus dem Haus.
Außerdem ist unsere kleine und große Welt gelähmt von einem Virus,den sie Corona nennen.Menschen in der ganzen Welt übertragen ihn durch die Luft,vor allem in Versammlungen und durch enge Körperkontakte.
Viele sind infiziert auf der ganzen Welt. Über 20 Millionen Menschen.
Ganz viele isolieren sich und haben auch bei uns große Angst, sich anzustecken.
Denn viele sind auch an dieser Krankheit gestorben. Weltweit über 700.000 Menschen.

Dass nun ausgerechnet dieser Textabschnitt aus deinem Brief an die Römerheute hier zitiert werden sollte, dafür kannst du nichts.
Wenn Du heute leben würdestoder damals die 2000jährige Geschichte von Juden und Christengekannt hättest, so hättest du vermutlich anderes geschrieben.
Aber da wir deine Mission und deine Worte hoch achten bis heute, haben wir den Auftrag zu erklären, was du gemeint haben könntest, damals. Und alle, die heute mit diesem Text predigen,sollen den Gemeinden helfen zu verstehen, worin der Sinn deiner Worte besteht und welche überzeitliche Relevanzdeine Worte haben für uns Menschen des 3. Jahrtausends nach Christus.

Ich habe einige Mühe mit deinen Worten und suche deshalb das schriftliche Gespräch mit dir. Du wirst auch Einwände meinerseits hören. Aber halte mich nicht für besserwisserisch. Jeder verfügt nur über begrenzte Sichtweisen. Das bestimmt unser Menschsein.

Du sagst, dass ein Teil des Volkes Israel blind sei für eine Zeit.Viele verstünden nicht die Bedeutung, die Jesus Christus hatals Erlöser und Retter der Menschheit.
Du sagst das etwas von oben herab, ist mein Empfinden. Dabei müsstest du dich doch daran erinnern, dass du selbst ja auch blind gewesen bist, für eine Zeit.
Als der auferstandene Christus dir erschien und dich in seine Nachfolge berief,erinnere dich, es war vor Damaskus, da bist du blind geworden. Konntest nicht mehr die Hand vor Augen sehen.
Es waren Deine jüdischen Begleiter, die dich dannnach Damaskus geführt haben. Sie ließen dich nichthilflos am Weg zurück, sondern waren barmherzig mit dir, wie es Gott von ihnen erwartete als Menschen seines Volkes. Sie führten dich nach Damaskus.
Und Ananias, ein Jünger Jesu, hat dich dannvon deiner Blindheit befreit, indem er dir die Hände auflegte.Du weißt, wie gut dir das getan hat und dass du ohne dieMithilfe deiner Reisegefährten und ohne die Mithilfe der Jüngergemeinde in Damaskus verloren gewesen wärest. Damals.
Da war doch deine Biographie ein lebendiger Auftaktzu einem segensreichen Zusammenwirken von Juden und Christen,gelegentlicher Blindheit entgegenzuwirken!!!
Wer von uns wäre nicht bisweilen blind underkennte wichtige Entwicklungen nicht oder zu spät.

Stattdessen hast du dich dann in unserem Abschnitt aus dem Römerbriefsehr grundsätzlich und distanziert gegenüber deinen jüdischen Mitmenschengeäußert: Blindheit ist Israel zum Teil widerfahren, solange bis die Fülleder Heiden eingegangen ist, und alsdann wird das ganze Israel gerettet werden.
Du unterstellst Gott, dass er die Blindheit des jüdischen Volkes will, damit er die Völker der Welt für seinen neuen Bund gewinnen kann, den er durch Jesus Christus besiegelt hat.
Und wenn dann alle Völker an das Evangelium glauben, dann erst wird Gott, der Ewige, ganz Israel retten.
Woher weißt du das, dass du es mit so großer Gewißheit sagst?
Ist nicht Gott immer bereit zu retten?
Hat er nicht eine ganze Welt eingerichtet, die aus jeder FaserRettung des Lebens hervorpresst und zum Ziel hat?
Gott rettet durch seine Welt!

Er fragt nicht, bist du Jude oder Christ, Moslem oder Hindu?
Später im Römerbrief nennst du deine jüdischen Geschwister sogar noch 'Feinde'!
Du hättest gewiss eine andere Formulierung gewählt, hättest du gewusst, welch leidvolle Geschichte Juden und Christen in ihrem Miteinander bevorstand.
Aber ganz wohl war dir mit der Bezeichnung 'Feinde' dann doch nicht. Denn schon mit den nächsten Sätzen widerlegst du deine eigene Formulierung, wenn du schreibst, dass die jüdischen Menschen Gottes Geliebte sind, seine berufenen und geistbegabten Menschen, denen er sich ununterscheidbar inseinem Wesen und Sein eingeprägt hat.
Abraham Isaak Jakob, Sarah und Rebekka, Lea und Rahel, die Könige,die Propheten, .... die Väter und Mütter deines Volkes,wie sind sie uns doch nahe geblieben, auch uns Christinnen und Christen durch die Zeit.
Sie sindVorbilder des bedingungslosen Vertrauens in Gott und der unlösbarenVerbindung zwischen Gott und seinem Volk.Sie waren keine perfekten Menschen. Wie auch. Das ist es ja gerade, dass Gott, der Ewige, sie trotzdem liebt und als sein unverlierbares Gegenüber erwählt hat.

Schaust du auf die Geschichte der Christen in 2000 Jahren, bis in die Gegenwart,und das wirst du tun aus deiner Ewigkeit,so siehst du ebenfalls, viele Christinnen und Christen, als überzeugende und glaubwürdige Menschen. Aber auch sie waren nicht perfekt. Wie auch.
Warum setzt du Feindschaft zwischen Juden und Christen?
Alle die das Evangelium und deine Briefeoberflächlich gelesen haben und lesen, bleiben hängen an der Feindschaft.Weil es immer einfach ist und dem eigenen Selbstbildgut tut,Feinde zu haben. Oder einen Sündenbock. Und was ist davon geworden in dieser furchtbaren Geschichte zwischen Juden und Christen?
Pogrome. Schließlich der Versuch der Auslöschung des jüdischen Volkes durch die Nationalsozialisten.
Bis heute sind Antisemitismus und Judenhass ein unbegreiflicher Bodensatz in unserer Gesellschaft. Wie schäme ich mich dafür, dass ein jüdischer Mensch mit einer Kippa sich im öffentlichen Leben in Deutschland nicht sehen lassen kann,ohne verbal angegangen oder bespuckt oder angegriffen zu werden. Dass du mich nicht missverstehst: Ich sage nicht, dass du dafür die Verantwortung hast, jeder ist für seinen eigenen Hass verantwortlich und wird von Gott zur Rechenschaft gezogen für alles, was durch Hass ausgelöst wird. Aberdu weißt doch, jemanden als Feind zu bezeichnen, hat in der Menschengeschichte immer schon zu Ausgrenzung, Gewalt und Kriegen geführt.Weil der Feind anscheinend kein Mensch mehr ist. Was er aber doch ist.
Liebet eure Feinde, hat Jesus gesagt, unser Herr.
In den letzten Sätzen unseres Abschnitts kommst du dann aber doch auf das wirklich Wichtige zu sprechen: Auf die Barmherzigkeit.
Du stellst in den Mittelpunkt, dass letztendlich Gott barmherzig ist gegenüber allen Menschen, weil immer Unglaube uns von Gott wegzieht. Ich möchte ergänzen, dass es ebenso wichtig ist, dass der Mensch gegenüberseinen Mitmenschen barmherzig ist.
Du weißt, wie wichtig dieser Zusatz ist. Denn auch dich hat man ja unbarmherzig geschlagen und eingekerkert. Immer noch, nach 2000 Jahren ist die Menschheit befangen in gewalttätigen Auseinandersetzungen und Kriegen. Der Kampf gegen den Unglauben ist ja nicht zuende.Viele, viel zu viele in unserer Zeit, glauben nicht an die Erlösung durch Jesus Christus. Es hat für sie keine Bedeutung.Manche haben auch ihren Glauben an die Erlösung durch Jesus Christus verloren,weil die Diener der Kirche und ihre Mitglieder viel zu wenig spüren lassen von der Barmherzigkeit von Mensch zu Mensch.So richten wir uns immer wieder auf an deinem Mut und an deiner Unerschrockenheit, Unglauben in jeder Weise zu bekämpfen.Aber irgendwann, da hast du Recht, wird mit Jesu Wiederkunft aller Unglaube undalle erbarmungslose Wirklichkeit weggefegt.Wann das ist, wissen wir nicht.Bis dahin versuchen wir barmherzig zu sein auf dem Weg.Gegenüber jeder und jedem.Egal, ob wir Juden sind oder Christen, Muslime oder Hindus, Buddhisten oder die Natur von Göttern beseelt sehen.

Es bleibt der Glaube an Jesus Christus in diesem Leben jetzt eine so besondere Gabe. Du hast sie damals mit zeitweiser Blindheit bezahlt, vor Damaskus in einem dramatischen Geschehen, aus dem dich jüdische und christliche Geschwister gemeinsam befreit haben. Das ist die Vision aus der ich lebe und zuversichtlich bin, dass wir auf dem Wegder Barmherzigkeitalle Feindseligkeiten zwischen Religionen und Kulturen und Völkernüberwinden können. Es ist der Christusweg.

Jesus sagt: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Daran halte ich mich.
Danke, dass ich dir diesen Brief schreiben durfte.

Bleib uns gewogen, lieber Paulus durch die Zeit.
Dir verdanken wir es, dass das Evangelium auch zu uns gekommen ist.
Danke in den Himmel für deine Geisteskraft und deinen Mut und deine Leidensbereitschaft.
Für immer dir verbunden im Geist Jesu,

Deine Renate Langenheder

Lied 262,1-5

Fürbitten

Gott des Himmels und der Erde.
Größer als alles ist das Geheimnis deiner Nähe in deiner Schöpfung.
Du hast deine Schöpfung auf den Weg gebracht mit dem Ziel, dich an dem Leben der Natur, der Tiere, der Menschen zu erfreuen.
Wie wenig Grund zur Freude mußt du haben, wenn du deine Welt anschaust, durch sie hindurch gehst, wie einst durch den Garten Eden.

Wir wollen dir nicht in den Ohren liegen mit den Katastrophen,die tagtäglich sich in unser Bewußtsein hämmern.Aber dies bitten wir, dass du in deiner Menschheitmehr Verantwortung aufweckst für die Welt und die unguten Entwicklungen in ihr,die nach und nach und immer schneller unsere Lebensgrundlagen zerstören.

Wir bitten, dass du inden Mächtigen dieser Erde Verantwortung aufweckstfür den Frieden in Syrien, in Libyen, im Jemen, in Afghanistan, in Weißrußland,im Libanon.Wir bitten, dass du der Versuchung mancher Politiker entgegenwirkst, ihre Verantwortung zu Selbstinszenierungenund zu Vetternwirtschaft zu mißbrauchen.

Wir bitten, dass in der Gesundheitskrise, die wir gerade erleben, das weltweite Gesundheitsmanagement durch Vernunft und wissenschaftliche Erkenntnisse gestärkt und nicht durch Machtinteressen bestimmt wird.

Wir bitten, dass auf deiner weiten Welt in einem Miteinander der Religionen und Kulturen Menschlichkeit und Barmherzigkeit regieren, nicht Rechthaberei und kalte Abgrenzung.

Wir bitten für alle, die in den Lagern der Unmenschlichkeit leiden an den Grenzen Europas, bewahre sie vor dem Sturz in die absolute Verzweiflung angesichts der Unbeweglichkeit europäischer Flüchtlingspolitik.

Alles, was uns noch von Herzen bewegt, bringen wir jetzt vor dich in der Stille...

Es komme dein Reich, o Christus, und vergehe alles, was dich hindert.
Dein heiliger Name sei gelobt, jetzt und in Ewigkeit. Amen

Vaterunser

Segen

Es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Segenslied: 619