Newsletter Kontakt Spenden

Gottesdienst zum 08. August

von Diakon Dietmar Jeske als PDF zum Download.

Ablauf @home-Gottesdienst
zum 10. Sonntag n. Trinitatis am 8. August 2021

Zünden Sie eine Kerze an,
und stellen Sie Ihr Handy/Telefon lautlos!

Begrüßung mit Wochenspruch und Hinführung zum Gottesdienst

  1. Lied: EG 577 1 –5 https://youtu.be/CWFfhnb3du4
    - Liturgische Eröffnung : Im Namen des Vaters…
    - Psalm: 74
    - Sündenbekenntnis
    - Gnadenzuspruch
    - Kollektengebet
    - „Schma Jisrael“ https://youtu.be/l6jYzYs2kaA
    (jüd. Oberkantor Estrongo Nachama)
    - Alttestamentliche Lesung 5. Mose 4, 5-20
    - Glaubensbekenntnis EG 817
  2. Lied: EG 434 3x https://youtu.be/16OSIz5wjlA
    (Hebr. / Deutsch / Hebr.)
    Predigt
  3. Lied: EG 651 1 – 4 https://youtu.be/iHf6rY-yzak
    Fürbittengebet (Gemeinde erhebt sich)
    Vaterunser
  4. Lied: EG 502 1, 2 + 4 https://youtu.be/KBBDsW4q-sc
    Segen
    G.: Amen
  5. Lied: Draußen – EG 433 3x https://youtu.be/BbLyz-Z19ms
    (Hebr. / Deutsch / Hebr.) 

B E G R Ü ß U N G
Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,
dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.

Mit diesen Worten aus Psalm 33 grüße ich Sie und Euch zum Gottesdienst am heutigen 10. Sonntag nach Trinitatis.

Der 10. Sonntag nach Trinitatis bildet den Mittelpunkt der Trinitatiszeit und hat eine besondere Stellung. Denn die christliche Kirche widmet sich dem Verhältnis zum Volk Israel.
Daher wird dieser Tag auch "Israel-Sonntag" genannt.

Unser 10. So. n. Tr. fällt zeitlich zusammen mit dem jüdischen Trauertag TISCH BE AW- dem 9. Tag in ihrem Monat Aw, an dem unsere jüdischen Geschwister traditionsgemäß auch an die Zerstörung des selben Tempels [durch die Römer im Jahre 70] gedenkt.

Der TISCH BE AW war in diesem Jahr am 17. & 18. Juli.

Mit diesem Datum verbinden sich in der jüdischen Tradition auch noch weitere Schicksalsdaten:

• der Beschluss Gottes, das Volk Israel vierzig Jahre lang in der Wüste zu lassen,
• die Zerstörung des ersten Tempels [durch Nebukadnezar],
• das Exil in Babylonien,
• die mittealterliche Vertreibung der Juden aus England und
• die Vertreibung aus Spanien bis 1492.

Die jüdischen Gottesdienste am TISCH BE AW, sind voller Klage und voller trotzigem Festhalten an Gott.

Auch unser Gottesdienst heute soll bestimmt sein von Klage und von Buße, angesichts der Blindheit und Selbstgerechtigkeit von Christen dem Volk Israel gegenüber, von der wir hoffen, dass sie überwunden ist.

Möge Gott diesen Gottesdienst segnen
zu seiner Ehre.
Amen 

  1. L I E D – EG 577 1 – 5
  1. Kommt herbei, singt dem Herrn,
    ruft ihm zu, der uns befreit.
    Kommt herbei, singt dem Herrn,

    Singend lasst uns vor ihn treten,
    mehr als Worte sagt ein Lied.
    Singend lasst uns vor ihn treten,
  2. Er ist Gott, Gott für uns,
    er allein ist letzter Halt.
    Er ist Gott, Gott für uns,

    Überall ist er und nirgends,
    Höhen, Tiefen, sie sind sein.
    Überall ist er und nirgends,
  3. Ja, er heißt: Gott für uns;
    wir die Menschen, die er liebt.
    Ja, er heißt: Gott für uns;

    Darum können wir ihm folgen,
    können wir sein Wort verstehn.
    Darum können wir ihm folgen,
  4. Wir sind taub, wir sind stumm,
    wollen eigne Wege gehen.
    Wir sind taub, wir sind stumm,

    Wir erfinden neue Götter
    und vertrauen ihnen blind.
    Wir erfinden neue Götter
  5. Dieser Weg führt ins Nichts,
    und wir finden nicht das Glück;
    Dieser Weg führt ins Nichts,

    graben unsre eignen Gräber,
    geben selber uns den Tod.
    graben unsre eignen Gräber,
    … 

E I N G A N G S - V O T U M
Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen Gottes,
der Israel als sein erwähltes Volk berufen hat;
im Namen Jesus von Nazareth,
dem als Jude geborenen,
gekreuzigten und auferstandenen Christus,
der Menschen aus allen Völkern
der Welt zu sich ruft;
Im Namen der Kraft, durch den Israel und die Kirche gemeinsam zu seinen Zeugen und zu Erben seiner Verheißung macht.

Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. (+)
Amen

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Herr sei mit Euch
und mit deinem Geist

Der Bund und Treue hält ewiglich,
und nicht fahren lässt, das Werk seiner Hände.
Amen. 

P S A L M 74 1b-12, 18-23
Gott, warum verstößest du uns für immer und bist so zornig über die Schafe deiner Weide?
Gedenke an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben und dir zum Erbteil erlöst hast, an den Berg Zion, auf dem du wohnest.
Richte doch deine Schritte zu dem, was so lange wüste liegt. Der Feind hat alles verheert im Heiligtum.
Deine Widersacher brüllen in deinem Hause und stellen ihre Banner auf als Zeichen des Sieges.
Hoch sieht man Äxte sich heben wie im Dickicht des Waldes. Sie zerschlagen all sein Schnitzwerk mit Beilen und Hacken.
Sie verbrennen dein Heiligtum, bis auf den Grund entweihen sie die Wohnung deines Namens.
Sie sprechen in ihrem Herzen: Lasst uns sie allesamt unterdrücken! Sie verbrennen alle Gotteshäuser im Lande.
Unsere Zeichen sehen wir nicht, kein Prophet ist mehr da, und keiner ist bei uns, der wüsste, wie lange.
Ach, Gott, wie lange soll der Widersacher schmähen und der Feind deinen Namen immerfort lästern?
Warum ziehst du deine Hand zurück?
Nimm deine Rechte aus dem Gewand und mach ein Ende!

Gott ist ja mein König von alters her, der alle Hilfe tut, die auf Erden geschieht.
So gedenke doch, dass der Feind den HERRN schmäht und ein törichtes Volk deinen Namen lästert.
Gib deine Taube nicht den Tieren preis; das Leben deiner Elenden vergiss nicht für immer.
Schau auf den Bund; denn die dunklen Winkel des Landes sind Stätten voller Gewalt.
Lass den Geringen nicht beschämt davongehen, lass die Armen und Elenden rühmen deinen Namen.
Mach dich auf, Gott, und führe deine Sache; gedenke an die Schmach, die dir täglich vor den Toren widerfährt.
Vergiss nicht das Geschrei deiner Feinde; das Toben deiner Widersacher wird je länger, je größer. Amen.

S Ü N D E N B E K E N N T N I S
Gott des Erbarmens.
Dein Volk Israel blickt zurück auf viele Erfahrungen von Zerstörung, Demütigung und Vertreibung und trauert vor dir.
Als Kirche haben wir diese Trauer lange nicht geteilt, sondern oft genug vergrößert und haben uns angemaßt, die Katastrophen Israels als Gericht über seine Verstocktheit zu deuten.
Wir erkennen, dass wir es sind, die deinen Zorn verdient haben, weil uns nicht zusteht, uns über dein Volk zu erheben und es in seinem Leid allein zu lassen.
Hilf, dass wir nicht nur mit Lippenbekenntnissen unsere Veränderung im Denken beteuern, sondern uns berühren lassen von der Klage deines Volkes.
Verwandle uns, dass aus Gleichgültigkeit Teilnahme werde, Kälte der Herzlichkeit weiche und statt Selbstgerechtigkeit uns tätige Buße leite.
Wir fragen uns, ob wir deines Friedens wert sind.
Wir bitten, vergib uns und führe uns zur Umkehr und erbarme dich unser. Amen.

G N A D E N S P R U C H
Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln.
Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. Amen
Jesaja 54, 7-8

K O L L E K T E N G E B E T
Herr unser Gott,
im jüdischen Volk bist du für uns Mensch geworden, dort hast du das Heil zur Welt gebracht.
In Jesus hast du die Grenzen überschritten und alle Menschen in dein Reich gerufen.
Du bist treu geblieben dem Volk, das du erwählt hast, und sammelst dir eine Gemeinde aus allen Völkern.
Wir bitten dich:
Mach beide, Juden und Christen, deiner Treue gewiss und vereine uns in der Hoffnung auf dein Reich.
In Namen Jesu, der mit dir und dem Heiligen Geist lebst und regierst, von Ewigkeit zu Ewigkeit. AMEN

H I N F Ü H R U N G Z U M „S C H M A J I S R A E L“
Das ‚Schma Jisrael‘ /‚Höre, Israel!‘) wird in der nichtjüdischen Literatur häufig als jüdisches Glaubensbekenntnis bezeichnet.
Es gehört zu den wichtigsten Gebeten des Judentums und ist der älteste Ausdruck des jüdischen Selbstverständnisses.
Während des Synagogen-Gottesdienstes wird das „Schma Israel“ beim Ausheben der Tora-Rolle aus dem Toraschein gebetet, bevor daraus der jeweilige Textabschnitte gelesen wird.

Hören wir nun dieses Gebet vor unserer Schriftlesung.
Vorgetragen wird es von Estrongo Nachama, des im Jahre 2000 verstorbenen Oberkators der ‚Jüdischen Gemeinde zu Berlin‘.  

Schma Jisrael / Höre Israel

Schma Jisrael, A-donaj E-lohejnu, A-donaj Echad.
Baruch schem kwod malchuto leolam waed.
We'ahawta et A-donaj E-lohecha, bechol lewawcha, uwechol nafschecha, uwechol meodecha.
Wehaju hadwarim haeleh ascher anochi mezawecha hajom, al lewawecha.
Weschinantam lewanecha wedibarta bam, beschiwtecha bewejtecha, uwelechtecha baderech, uweschachbecha uwkumecha.
Ukschartam leot al jadecha, wehaju letotafot bejn ejnecha. Uchtawtam al mesusot bejtecha, uwischarecha.

Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig.

Gelobt sei der Name der Herrlichkeit Seines Reiches für immer und ewig.
Du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deiner ganzen Kraft.
Diese Worte, die Ich dir heute befehle, seien in deinem Herzen, schärfe sie deinen Kindern ein und sprich davon, wenn du in deinem Haus sitzest, und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst, und wenn du aufstehst.
Binde sie zum Zeichen an deine Hand, sie seien zum Stirnschmuck zwischen deinen Augen.
Schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und deiner Tore.

ALT-TESTAMENTLIECHE - L E S U N G 5. MOSE 4, 5-20
Sieh, ich habe euch gelehrt Gebote und Rechte, wie mir der HERR, mein Gott, geboten hat, dass ihr danach tun sollt im Lande, in das ihr kommen werdet, um es einzunehmen.
So haltet sie nun und tut sie! Denn darin zeigt sich den Völkern eure Weisheit und euer Verstand. Wenn sie alle diese Gebote hören werden, dann müssen sie sagen: Was für weise und verständige Leute sind das, ein herrliches Volk!
Denn wo ist so ein herrliches Volk, dem Götter so nahe sind wie uns der HERR, unser Gott, sooft wir ihn anrufen?
Und wo ist so ein großes Volk, das so gerechte Ordnungen und Gebote hat wie dies ganze Gesetz, das ich euch heute vorlege? Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben, und dass es nicht aus deinem Herzen kommt dein ganzes Leben lang.
Und du sollst deinen Kindern und Kindeskindern kundtun den Tag, da du vor dem HERRN, deinem Gott, standest an dem Berge Horeb, als der HERR zu mir sagte: Versammle mir das Volk, dass ich sie meine Worte hören lasse und sie mich fürchten lernen alle Tage ihres Lebens auf Erden und ihre Kinder lehren.
Da tratet ihr herzu und standet unten an dem Berge; der Berg aber stand in Flammen bis in den Himmel hinein, und da war Finsternis, Wolken und Dunkel.
Und der HERR redete mit euch mitten aus dem Feuer.
Den Klang der Worte hörtet ihr, aber ihr saht keine Gestalt, nur eine Stimme war da.
Und er verkündigte euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, nämlich die Zehn Worte, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.
Und der HERR gebot mir zur selben Zeit, euch Gebote und Rechte zu lehren, dass ihr danach tun sollt in dem Lande, in das ihr zieht, es einzunehmen.
So hütet euch um eures Lebens willen – denn ihr habt keine Gestalt gesehen an dem Tage, da der HERR mit euch redete aus dem Feuer auf dem Berge Horeb – dass ihr euch nicht versündigt und euch irgendein Bildnis macht, das gleich sei einem Mann oder einer Frau, einem Tier auf dem Land oder Vogel unter dem Himmel, dem Gewürm auf der Erde oder einem Fisch im Wasser unter der Erde.
Hebe auch nicht deine Augen auf zum Himmel, dass du die Sonne sehest und den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels, und fallest ab und betest sie an und dienest denen, die der HERR, dein Gott, zugewiesen hat allen Völkern unter dem ganzen Himmel.
Euch aber hat der HERR angenommen und aus dem Schmelzofen, nämlich aus Ägypten, geführt, dass ihr sein Erbvolk sein sollt, wie ihr es jetzt seid.

G L A U B E N S B E K E N N T N I S – EG 817
Verfasst von der Landeskirche Kurhessen-Waldeck

Wir glauben an den einen Gott,
der Himmel und Erde geschaffen hat
und uns Menschen zu seinem Bild.
Er hat Israel erwählt,
ihm die Gebote gegeben
und seinen Bund aufgerichtet
zum Segen für alle Völker.

Wir glauben an Jesus von Nazareth,
den Nachkommen Davids,
den Sohn der Maria,
den Christus Gottes.
Mit ihm kam Gottes Liebe
zu allen Menschen,
heilsam, tröstlich
und herausfordernd.
Er wurde gekreuzigt
unter Pontius Pilatus,
aber Gott hat ihn auferweckt
nach seiner Verheißung,
uns zur Rettung und zum Heil.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der in Worten und Zeichen an uns wirkt.
Er führt uns zusammen
aus der Vielfalt des Glaubens,
damit Gottes Volk werde
aus allen Völkern
befreit von Schuld und Sünde,
berufen zum Leben
in Gerechtigkeit und Frieden.
Mit der ganzen Schöpfung hoffen wir
auf das Kommen des Reiches Gottes. Amen.

  1. L i e d – EG 434 5 x

Hebräisch:
Shalom chaverim,
shalom chaverim,
shalom, schalom,
lehitraot, lehitraot,
shalom, schalom.

Deutsch:
Der Friede des Herrn
geleite euch,
Schalom, Schalom.
Der Friede des Herrn
geleite euch,
Schalom, Schalom.

Hebräisch:

Shalom chaverim,
shalom chaverim,
shalom, schalom,
lehitraot, lehitraot,
shalom, schalom.

P R E D I G T

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit Euch allen.
Amen!

Ein Jude stirbt und kommt in den Himmel.
Er ist darüber ganz verwundert und erfreut, denn damit hatte er gar nicht gerechnet.
Nun ist er gerührt, als sein Landsmann Petrus ihn freundlich empfängt und ihn mit den Verhältnissen und Regeln im Paradies vertraut macht.
Wie ist hier alles schön.
Schnell ist auch geklärt, in welchem Abteil er sein himmlisches Ruheplätzchen finden soll.
Petrus beschreibt ihm den Weg.
Am Ende aber macht er ihn darauf aufmerksam, dass er sich im jüdischen Himmelssaal bitte ganz ruhig verhalten soll. Darüber wundert sich der brave Jude.
Denn beim Gebet in der Synagoge, war es doch ganz und gar nicht ruhig zugegangen.
Im Gegenteil: bei manchen Gebeten gab es richtigen Lärm von all den lauten Rufen der Beter, die gemeinsam riefen:
Heilig, heilig, heilig ist der Herr.
Warum sollte ausgerechnet im Himmel die Anbetung der Heiligen so leise vor sich gehen?
Petrus sah den Zweifel.
„Weißt du”, sagte er, „im Nebenraum sind die Christen, und die meinen, sie seien allein im Himmel!”

Diese kleine Geschichte zum Schmunzeln zeigt auf hintergründige Weise, wie Christen immer wieder über das Judentum gedacht haben.
Die 2000 Jahre alte Geschichte zwischen Christentum und Judentum ist leider auch eine Geschichte der Verfolgung und des Hasses, der Unterdrückung und Überheblichkeit von Seiten der Christen.
Auch der Völkermord an den Juden im Dritten Reich ist nicht denkbar ohne die Entwicklungen, zu denen auch die Kirche beigetragen hat.
Sie ist nicht denkbar ohne die jahrhundertelangen Vorurteile und Verfolgungen von Christen gegenüber
Juden.

Liebe Gemeinde,
es ist Tradition in unserer Evangelischen Kirche, dass der 10. Sonntag nach Trinitatis als
„Israelsonntag“ begangen wird.
Als Tag des Gedenkens und Erinnerns. Früher war dieser Tag gleichzeitig der Gedenktag zur Zerstörung des Tempels von Jerusalem.
Vereinzelt, als Wirkungsstätte Jesu.
Meist aber klang es von den Kanzeln:
„Seht, wie Gott sein ungehorsames Volk straft“!
Schon weit vorher im Mittelalter wurden die Juden immer wieder als Christus-Verräter – Judas = Juden – und das gesamte jüdische Volk als Christus-Mörder verunglimpft, da sie nicht Jesus sondern Barrabas vor der Todesstrafe verschont hatten.
Nur fragen wir uns, was wäre geschehen, wenn Judas seinen Herrn und Meister nicht verraten hätte?
Was wäre geschehen, wenn das Volk von Jerusalem Jesus nicht dem Tod preisgegeben hätte?
Nur durch seinen Tod hat uns Christus von aller Sünde befreit, nicht allein durch die Auferstehung.
Dies hatte ja Martin Luther zu seinen Thesen erklärt: „Ostern nicht ohne Karfreitag und Karfreitag nicht ohne Ostern.“
Ich denke, wir würden hier nicht als Christen unseren heutigen Gottesdienst feiern.
Wir würden als Juden den gestrigen Sabbat-Gottesdienst in einer Synagoge feiern.
Dies haben die Kirchenfürsten vor Jahrhunderten nicht bedacht oder wollten es nicht wahrhaben.
Es ist und war zu einfach für alles Schlimme einen Sündenbock zu haben, zu suchen, zu finden.

Wurden die Juden doch auch zu Brunnenvergifter, Hostienschänder, Ritual-mörder und sogar zu Schuldigen an der Pest erklärt.
Sie wurden zu einer gefährlichen Rasse diffamiert, die die Welt durch ihren Finanzhandel in den Ruin treiben würden.
Aber warum wurden die jüdischen Brüder und Schwestern Fachleute im Handel.
Waren es nicht die Kirchenfürsten, die ihnen schon im Mittelalter die Beschäftigung im Handwerk untersagte oder Landbesitz verbot, um als Landwirte tätig zu sein?
Es blieb ihnen ja nichts anderes übrig, nur im Handel tätig zu werden, der den Christen untersagt wurde.

Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Schrecken des Holocausts wandelte sich das Verständnis dieses Tages - hin zu einem Bußtag im Gedenken dessen, was Christen Juden angetan haben.
Ich denke, das war und ist richtig und gerade wir Deutschen dürfen nie vergessen, was im „Dritten Reich“ Juden von getauften Deutschen angetan wurde.
Dennoch ist es gut, dass der Israelsonntag in der heutigen Zeit noch einmal einen anderen Charakter bekommt.
Und ich meine damit keinen politischen Charakter.
Was in Israel passiert ist für uns manchmal schwer verständlich und schwer durchschaubar:
der israelische Siedlungsbau, den die Regierung dort zulässt – und die ständige Bedrohung durch palästinensischen Terror.
Zuletzt die auch die Unruhen am Tempelberg. Um diese tragischen Ereignisse soll es heute nicht gehen.

Den Israelsonntag begehen wir vielmehr als Tag der Erinnerung – aber eben als Tag der Erinnerung, was uns mit den Menschen jüdischen Glaubens verbindet.
Ein Tag der Erinnerung, dass nirgends in der Bibel steht, dass die Kirche die Stelle Israels eingenommen hat – dass in der Bibel aber sehr viel vom Handeln Gottes an seinem Volk berichtet wird und dass wir Christen durch Jesus Christus an diesem Handeln Gottes teilhaben.
Ja, dass wir am Handeln Gottes an seinem Volk Israel lernen, wer Gott ist und wie Gott ist.
In diesem Sinne wollen wir nun auf den Predigttext hören, den die Ordnung unserer Kirche uns für den heutigen Israelsonntag vorgegeben hat:

2.Mose 19, 1-6:

Am ersten Tag des dritten Monats nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland, genau auf den Tag, kamen sie in die Wüste Sinai.
Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge.
Und Mose stieg hinauf zu Gott.
Und der HERR rief ihm vom Berge zu und sprach:
So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen:
Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht.
Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.
Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst.

Liebe Gemeinde,
diese Worte sind zuerst dem jüdischen Volk gesagt.
In der Wüste Sinai.
Am Berg, der zum Berg der 10 Gebote werden sollte. Der ägyptischen Gefangenschaft waren sie entflohen.
Hunger und Durst hatten sie in der Wüste erlitten.
Auf wundersame Weise hatten sie Speise und Trank gefunden.
Gegen feindliche Beduinen hatten sie kämpfen müssen.
Und jetzt endlich waren sie angekommen am Sinai. Jetzt konnten sie rasten.
Und Mose, ihr Anführer stieg auf den Berg um mit Gott zu sprechen.

Vielleicht ist das, das erste, was wir lernen können aus dieser Geschichte:
Wüstenzeiten, Durststrecken, quälende Tage kennen wir alle.
Tage, an denen schleppen wir uns grad so durch.
Und dann kommt die Rast und dann kommt die Erholung, langsam zunächst.
Für das Volk Israel waren die Tage und Wochen der Wüstenwanderung Tage und Wochen, da waren sie ganz angewiesen auf Gott, auf seine Hilfe.
Sie haben das nicht immer klaglos ertragen, haben manchmal gemurrt.
Sie haben aber Gottes Hilfe in ihrem Leben gesehen, weil sie mit Gott rechneten.
Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe…
Und Mose geht, um mit Gott zu reden, auf den Berg. Der Alltag ist manchmal zu laut.
Da sind wir gar nicht darauf eingestellt, Gottes Stimme zu hören.
Da ist es gut, herauszutreten aus dem Alltag.
Bewusst Gottes Nähe zu suchen, so wie Mose es tut, als er auf den Berg geht.
Und es scheint, Gott habe gerade darauf gewartet, denn es heißt: der HERR rief ihm vom Berge zu.
Vom Berg, diesem Ort der Nähe Gottes, dem Ort, an dem Mose später die Gebote Gottes empfangen wird.
Im Neuen Testament wird Jesus vom Berge aus reden. Die wichtigste Rede Jesu, die uns der Evangelist Matthäus überliefert hat, ist die Bergpredigt.
Da hat Jesus gepredigt, wie Gott zu uns steht – und was er von uns erwartet.

Mose hört auf dem Berg diese Worte:

Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht.
Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.

Liebe Gemeinde,
was verbindet uns mit dem jüdischen Volk?
Was ist uns im Glauben gemeinsam?
Es ist dies:
Gott handelt an uns in Zuspruch und Anspruch.
In dem Zuspruch versichert er uns, dass er für uns da ist, unser Gott, der zu uns steht.
Aber er handelt auch an uns mit seinem Anspruch, den er an unser Handeln hat.
Unser Handeln soll dem Handeln Gottes entsprechen.
Mit unserem Leben und Tun geben wir Antwort auf das, was Gott uns zuspricht.
Der Zuspruch Gottes geschieht in Gestalt der Erinnerung:
Gott erinnert die Israeliten, was er für sie getan hat:
Ich habe euch aus Ägypten befreit, sagt er.
Ich habe euch getragen mit Adlerflügeln.
Ich habe euch bis hierher geführt und die ganze Erde ist mein.
Die Wüstenzeit war nicht nur eine Zeit der Erschöpfung und eine Zeit der Entbehrungen.
Sie war auch eine Zeit, in der Gott nahe war.
Eine Zeit, in der Gott geholfen hat, Schweres durchzustehen.
Eine Zeit, in der Gott uns hindurchgetragen hat.
Gottes Anspruch ergeht hier im Blick auf die Gestaltung der Zukunft: Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern.
So soll die Zukunft aussehen:
Im Hören auf Gottes Stimme, im Tun dessen, was er gesagt hat.
Dann wird eine heilsame Zukunft in Gottes Nähe folgen.
Die Zehn Gebote werden dem Volk Israel kurz danach geschenkt als Weisungen zu einem Leben im Bund mit Gott, aber auch untereinander und mit anderen Menschen

Das Volk Israel selbst hat erlebt, wie es an diesem Anspruch auch gescheitert ist.
Die Geschichte vom „Goldenen Kalb“, steht wenige Kapitel weiter ebenfalls im 2.Buch Mose.
Wie die Israeliten nicht warten konnten, bis Mose wieder vom Berg kam.
Wie sie sich nach einem Gott sehnten, den man sieht. Und wie sie gerade dadurch den Gott, der an ihnen
gehandelt hat, verfehlten.
Die hebräische Bibel, unser Altes Testament, verschweigt das nicht.
Sie verschweigt aber auch nicht, dass Gottes Treue dennoch, trotz allem, bei seinem Volk geblieben ist.
Gott hat seinen Zuspruch an sein Volk nicht zurück genommen.
Der Zuspruch Gottes geschieht in Gestalt der Erinnerung.
Diese Erfahrung teilen wir mit dem jüdischen Volk.
Diese Erinnerung an Gottes Zuspruch haben wir immer wieder nötig.
Denn wir sind vergessliche Menschen.
Freilich:
Erinnerung kann lähmen.
Nämlich dann, wenn Erinnerung bedeutet:
Früher war alles besser.
Und deshalb wäre es am besten, alles wäre wie früher. Das Neue kann nur schlechter sein als das Alte.
Halten wir am Alten fest.
Verändern wir nichts.
Solch eine Erinnerung lähmt.
Sie öffnet keine Zukunft, sie tröstet nicht.
Sie führt zu einer innerlichen Flucht aus der Gegenwart in eine verklärte Vergangenheit.
Die lähmende Erinnerung ist kein Zuspruch, denn sie zeigt mir immer nur, was nicht mehr geht und was schlecht ist.
Zuspruch ist eine Erinnerung, die tröstet.
Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht.
Das sagt Gott zu den Israeliten in der Wüste.
Zu denen, die ganz erschöpft sind von ihrem schweren
Weg.
Diese Erinnerung öffnet die Augen dafür, dass die Israeliten nicht allein sind, dass ihr schwerer Weg nicht sinnlos war, denn es war der Weg, den Gott mit ihnen ging, der Weg, auf dem er sie getragen hat.
Die Erinnerung an das Gute, das die Israeliten von Gott empfangen haben, tröstet sie in der Zeit der Erschöpfung.
Ich erinnere mich am einen Besuch einer Frau in einem der Heime unserer Stadt.
Sie lag an ihrem Geburtstag im Bett, konnte nicht aufstehen.
Aber sie erzählte mit glänzenden Augen von einer schönen Jugend:
„Meine Erinnerungen kann mir niemand nehmen.
Die bewahre ich mir.“
Die trösteten sie.
Zuspruch ist eine Erinnerung, die ermutigt:
Der bisher getragen hat – er wird auch weiterhin helfen.
Die gute Erfahrung ist da – sie macht Mut, dass es weitere gute Erfahrungen mit Gott geben wird.
„Führen Sie auch seelsorgerliche Gespräche?“, das fragte mich eine junge Frau.
Und sie erzählte mir, dass es ihr eben gerade sehr schlecht ginge.
Es war alles schwarz um sie her.
„Ich weiß einfach nicht mehr weiter“.
Wir haben dann miteinander betrachtet, wie es ihr früher ging, als sie in ähnlichen Situationen war.
Die Frau staunte über sich selber:
„Immer, wenn ich dachte, es geht nicht mehr, tat sich irgendwie wieder eine Tür auf.“
Und sie erinnerte sich: „Da hat mir Gott geholfen“.
Diese Erinnerung hat sie getröstet – und ermutigt und sie konnte wieder eine Zukunft vor sich sehen, wartete auf die nächste Tür, die sich öffnete.
Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern.
Damit ist nun der Anspruch Gottes formuliert.
Der Anspruch, den Gott an sein erwähltes Volk stellt.

Nun gab und gibt es nicht wenige Nichtjuden, die die Erwählung des Volkes Israel als Bevorzugung verstehen und meinen, die Juden bildeten sich etwas darauf ein.
Überheblichkeit und Arroganz hat man dem erwählten Volk vorgeworfen.
Von den Juden selber aber wurde die Erwählung nicht selten eher als Last gesehen.
Denn die Erwählung hat ein Ziel:
Das erwählte Volk soll durch Wort und Tat die Erkenntnis Gottes verbreiten und die Verehrung Gottes bei den Völkern erreichen.
Das ist ein sehr hoher Anspruch.
Es ist eher eine Utopie als Realität.
Aber manchmal braucht es Utopien, um Zukunft zu gestalten und nicht nur immer wieder das Alte zu wiederholen.
Manchmal braucht es Utopien, dass wir uns nach vorne hin ausrichten, Gott handelt an uns in Zuspruch und Anspruch.

In einer Zeit, die eine dürre Wüstenzeit war, in der Zeit des „Dritten Reiches“ haben die Väter der Barmer Theologischen Erklärung ihr Bekenntnis formuliert.
Darin heißt es: Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.
Das ist der Zuspruch, den wir Christen hören:
Der Gott, der an Israel gehandelt hat, der sein Volk aus Ägypten geführt und ihm die 10 Gebote gegeben hat, der hat sich uns in Jesus Christus zugewandt.
Der hat das, was uns von Gott getrennt hat, beseitigt, indem uns Christus die Vergebung gebracht hat.
Das ist unsere Erinnerung: die Erinnerung an Jesus Christus.
Die Erinnerung an sein Kreuz, das in allen unseren Kirchen zu sehen ist.
In der Taufe hat Gott an jedem einzelnen von uns gehandelt.
Von Martin Luther wird erzählt, er habe, wenn er angefochten war, wenn er in trüber Stimmung war, er habe dann mit Kreide auf den Tisch geschrieben:
„Ich bin getauft!“
Um sich selbst an den Zuspruch Gottes zu erinnern. Denn das steht fest, dass Gott in der Taufe an mir gehandelt hat – und das ist die Ermutigung, dem zu trauen, dass er es auch weiter an mir tun wird.
Zu dem Zuspruch gehört aber untrennbar der Anspruch, den Gott an unser Leben stellt – ein Anspruch auf unser ganzes Leben.
Der Bergprediger Jesus sagte: „Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“ (Mt. 5, 48)
Auch hören wir weiter vom Höchsten Gebot
Du sollst Gott lieben – und deinen Nächsten wie dich selbst.
Wenn wir die Erfahrung unserer jüdischen Geschwister teilen, dass wir diesem Anspruch nicht immer gerecht werden – so wollen wir auch diese Erfahrung teilen, dass Gottes Treue dennoch bei uns bleibt.
Das soll uns aber nicht davon abhalten, dem Ziel nachzustreben, dass Gottes Weisungen in unserem Leben auch Gestalt gewinnen.
„Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung“ – das hat ein jüdischer Rabbi im 18.
Jahrhundert erklärt.
Dies verbindet uns – Juden und Christen.

Und der Friede Gottes,
welcher höher ist, denn alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen uns Sinne
in Christus Jesus unserem Herrn. AMEN


H I N F Ü H R U N G Z U M L I E D

„F R E U N D E, D A S S D E R M A N D E L Z W E I G“
Hören wir nun das Lied „Freunde, dass der Mandelzweig, wieder blüht und treibt“!
1942 von Schalom Ben-Chorin als Gedicht unter dem Titel „Das Zeichen“ verfasst und 1981 vom evangelischen Pfarrer und Komponisten Fritz Baltruweit vertont.

Ben-Chorin, wurde 1913 in München als Fritz Rosenthal in eine assimiliert-jüdische Familie hineingeboren und verstarb 1999 in Jerusalem.

Nachdem er mehreren Verhaftungen und tätlichen Angriffen auf der Straße ausgesetzt war, floh er 1935 aus dem von den Nationalsozialisten regierten Deutschland nach Palästina.

In Jerusalem angekommen, nannte er sich Schalom Ben-Chorin, das heißt „Friede, Sohn der Freiheit“.

Durch seine Mitwirkung als Mitbegründer der „AG Juden und Christen beim Evangelischen Kirchentag“ erfuhr er dort eine freundschaftliche Verbindung mit Pfr. Baltruweit.

Bei den Kirchentagen erfuhr Ben-Chorin den Wandel der Evgl. Kirche zur Verantwortung in der NS-Zeit.

Dabei kam ihm der Gedanke, dass sein Freund Fritz Baltruweit sein Gedicht vertonen möge.

So kam dieses Lied einer jüdisch-christlichen Freundschaft ins Evangelische Gesangbuch (EG) und auch später ins katholische Gotteslob (GL). 

  1. L I E D – EG 651 1 – 4
    Freunde, dass der Mandelzweig
    Wieder blüht und treibt,
    Ist das nicht ein Fingerzeig,
    dass die Liebe bleibt?

    Dass das Leben nicht verging,
    Soviel Blut auch schreit,
    Achtet dieses nicht gering,
    In der trübsten Zeit.

    Tausende zerstampft der Krieg,
    Eine Welt vergeht.
    Doch des Lebens Blütensieg
    Leicht im Winde weht.

    Freunde, dass der Mandelzweig
    Wieder blüht und treibt,
    Ist das nicht ein Fingerzeig,
    dass die Liebe bleibt?

F Ü R B I T T E N G E B E T

Nach jeder Bitte: Herr erbarme dich

Barmherziger Gott.
Wir bitten dich heute zuerst für dein Volk Israel, das dir die Treue gehalten hat: Gewähre ihm Frieden.
Lass Juden überall auf der Welt in Ruhe und Sicherheit wohnen.
Wehre dem Antisemitismus unter den Völkern.
Bringe Bewegung in die verhärteten Fronten des Nahostkonflikts.
Hilf nach Lösungen zu suchen, mit der alle Beteiligten zu leben bereit sind. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir Christen gestehen vor dir ein, dass wir Mitschuld daran tragen, dass Juden in aller Welt bedrängt werden.
Wir haben deinem Volk Israel viel zu verdanken, doch lange Zeit waren wir undankbar.
Wir haben uns selbst als neues Gottesvolk bezeichnet als könne sich die Kirche an Israels Platz stellen.
Wir haben uns Israels Schriften übernommen und dessen Zusagen und angeeignet, aber Israel selbst in seiner Erwählung haben wir vergessen. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Du, Gott Israels und der Kirche, du bist ein lebendiger Gott.
Vergib alle Überheblichkeit.
Bringe neues Leben in die Beziehungen zwischen Christen und Juden. Lass uns einander so annehmen und ehren, wie wir geworden sind. Gib, dass dein Will in der Welt anerkannt wird und das es geschieht, dass 1uden und Christen ein Segen füreinander und für andere Werden. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Du, Gott Israels und der Kirche, du achtest auf alle Volker. Wir danken für alle, die trotz Not und Versuchungen, den Glauben, die Liebe und die Hoffnung bewahrt haben und sich zur Verbesserung der Lebensverhältnisse in ihren Ländern einsetzen. Wir bitten um den Aufbau einer Gesellschaft, in der Kinder in Frieden und Liebe statt in Hass und Gewalt aufwachsen können. Wir bitten um Heilung der Schäden, die die Bürgerkriege mit ihrer Brutalität an Menschen angerichtet haben. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Lasst uns voll Hoffnung zu Gott beten:

Für Christen und Juden, dass sie sich begegnen und einander vertrauen können; dass Wunden und Verletzungen, die Christen Juden zugefügt haben, heilen; dass Schuld ernst genommen und nicht verdrängt wird. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Für Muslime und Juden, dass sie sich begegnen und einander vertrauen können.
Dass sie sich als Brüder und Schwestern des gleichen Gottes, mit Abraham als Glaubensvater auf Augenhöhe ansehen.
Dass Juden und Muslime die jeweilige Geschichte des jeweils anderen Volkes verstehen. Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Für die Überlebenden der Judenverfolgungen, die bis heute gezeichnet und von Erinnerungen gequält sind wegen des erlittenen Grauens, dass sie Linderung finden für ihren Schmerz und dass sie und ihre Nachkommen Frieden für ihre Seele finden - lasst uns zu dir: Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

Für alle, die das Volk Israel noch immer verachten, dass sie zur Erkenntnis der Wahrheit finden, dass die Juden die Geliebten Gottes sind, Licht der Völker, Mittler von Segen und Heil; für alle, die schuldig geworden sind an Juden, dass sie ihr Tun bereuen und umkehren Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

V A T E R U N S E R

  1. L I E D – EG 502 1+2, 4 + 5
  1. Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit!
    Lob ihn mit Schalle, werteste Christenheit!
    Er lässt dich freundlich zu sich laden;
    freue dich, Israel, seiner Gnaden,
    freue dich, Israel, seiner Gnaden!
  2. Der Herr regieret über die ganze Welt;
    was sich nur rühret, alles zu Fuß ihm fällt.
    Viel tausend Engel um ihn schweben,
    Psalter und Harfen ihm Ehre geben,
    Psalter und Harfen ihm Ehre geben.
  3. Er gibet Speise reichlich und überall,
    nach Vaters Weise sättigt er allzumal;
    er schaffet frühn und späten Regen,
    füllet uns alle mit seinem Segen,
    füllet uns alle mit seinem Segen.

S E G E N

Den regulären Schluss-Segen, den wir als Aaronitischen Segen aus dem 2. Buch Mose kennen, ist ursprünglich der Priestersegen aus der Liturgie des jüdischen Tempel – und Synagogen-Gottesdienstes.

Um an die Wurzeln zum Judentum zu erinnern, hat Martin Luther diesen Segen im 16. Jahrhundert in die Liturgie des evangelischen Gottesdienst aufgenommen.

Es ist unverständlich, dass sich dieser Martin Luther später zu einem Antisemiten gewandelt hat.

Stellen wir uns nun, zusammen mit unseren jüdischen Schwestern und Brüdern unter diesen Segen:
Ausnahmsweise im Wortlaut der jüdischen Liturgie:

Der Ewige segne dich und behüte dich.
Der Ewige lasse Sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig.
Der Ewige wende Sein Angesicht dir zu
und gebe dir Frieden. (+)

  1. L I E D – EG 433 3X

Hebräisch:
Hevenu shalom alechem,
Hevenu shalom alechem,
Hevenu shalom alechem,
Hevenu shalom shalom, shalom alechem.

Deutsch:
Wir wünschen Frieden euch allen,
Wir wünschen Frieden euch allen,
Wir wünschen Frieden euch allen,
Wir wünschen Frieden, Frieden, Frieden für die Welt.

Hebräisch:
Hevenu shalom alechem,
Hevenu shalom alechem,
Hevenu shalom alechem,
Hevenu shalom shalom, shalom alechem.