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Gottesdienst zum 04. Juli

von Pfarrer Thomas Ring als PDF zum Download.

Biblisches Votum zum 5. Sonntag nach Trinitatis, 4.7.2021

„Denn aus Gnade seid ihr gerettet – durch den Glauben. Das verdankt ihr nicht eurer eigenen Kraft, sondern es ist Gottes Geschenk.“
(Epheser 2, 8)

Eröffnung

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes.
Amen.

Gebet

Himmlischer,
aus Gnade lebe ich.
Von deiner Gnade gelingen mir Dinge,
die ich für unmöglich gehalten habe.
Weil du mir den Rücken stärkst,
halte ich auch Stürmen und Unwettern im Leben stand.
Du enttäuschst meine kleinkarierten Erwartungen
mit deiner grenzenlosen Liebe
und durchkreuzt meine uninspirierten Pläne
mit der Kraft deines unbändigen Geistes.
Du begegnest mir
offensichtlich
verborgen
in den Wundern dieser Welt.
Bist ihr Lebensatem, Himmlischer.
Meiner auch.
Danke!
Amen.

Lied zum Sonntag

(Zum Anhören und Mitsingen: https://bit.ly/segneuns)

Ein Text aus der Bibel

zum 5. Sonntag nach Trinitatis

Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll. (Lukasevangelium 5, 1-7)

Gedanken zum Weiterdenken

Ein nebliger Morgen am Meer. Ein Fischerboot ist in Ufernähe festgemacht. Nur dieses eine Boot ist zu sehen. Keine Orientierung. Was hinter dem Nebel kommt, hinter dem Horizont, bleibt im Dunst des Morgens verborgen. Hier ist heute nichts zu fangen. Es macht keinen Sinn. Zu mühsam, die Netze draußen wiederzufinden. Keine Sicht. Und trotzdem schon zu hell. Nein, wirklich. Es würde keinen Sinn ergeben.

So hat er es gelernt vom Vater, der wie er Fischer war. Und dieser wiederum von seinem Großvater. Seit Generationen sind sie schon Fischer. Dann bleibt er heute doch lieber zu Hause und hängt den Fang von gestern in den Räucherkamin. Als junger Mann hatte der Fischer vielleicht noch aufbegehrt gegen das Wissen der Väter, gegen Tradition und generationsübergreifende Erfahrung. Doch auch er hat akzeptiert, dass es eben so ist, wie sie es von Generation von Generation weitergeben, auch er wird es so machen, wenn seine Tochter alt genug ist, um den Beruf der Fischerin zu ergreifen.

Szenenwechsel.
Was wäre, wenn…? Diese Worte stehen oft am Anfang von Gedankenspielen.
Was wäre, wenn der Fischer, dem das Boot gehört, dennoch rausfahren würde, um die Netze ausbringen? Was wäre, wenn die Netze dann heute doch noch voll wären? Fischfang wider Erwartung. Erfolg trotz Zweifel. Was wäre, wenn die alten Weisheiten der Väter und Großmütter nicht mehr greifen würden?

So eine „Was-wäre-wenn-Begebenheit“ erzählt das Lukasevangelium. Am Ufer eines israelischen Sees, in einem anderen Kulturkreis, in einer anderen Zeit. Und doch – die Lebenserfahrungen gleichen sich: „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen“. Petrus, der diese Worte spricht, versteht seinen Beruf. Tagsüber sind keine Fische zu fangen. Tagsüber und in tiefem Wasser … das macht keinen Sinn! Was wäre, wenn?
Scheinbar aber hat ihn Jesus beeindruckt. Es werden wohl besondere Worte gewesen sein, die Jesus vom Boot des Petrus aus gesprochen hat. So beeindruckend, dass er gegen die Erfahrung, gegen die Vernunft noch einmal hinausfährt auf den See. Das Ergebnis kennen wir: Die Netze waren übervoll. Das zweite Boot musste zu Hilfe kommen, um die Fische an Land zu bringen. Und in der Folge unserer Geschichte: Petrus, der Fischer, gibt seinen Beruf auf und findet seine Berufung.

Szenenwechsel.
Was wäre, wenn …? Was wäre, wenn wir aufhören würden, über weniger werdende Gemeindeglieder zu klagen und stattdessen Menschen einladen würden, mit uns zusammen Gemeinde lebendig zu gestalten? Was wäre, wenn wir uns aufmachen würden zu den Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben? Was wäre, wenn wir in Kirche und Gemeinde weniger der Macht des Marktes und mehr der Kraft des Evangeliums vertrauen würden? Was wäre, wenn wir gemeinsam den Kirchenraum wieder neu herrichten würden, statt über fehlende finanzielle Mittel zu klagen?
Das bringt nichts? Das hat noch nie etwas gebracht? Das funktioniert nicht?
Und wenn doch? Lass dich doch mal überraschen…
Brechen wir auf. Unsere Boote stehen zur Abfahrt bereit.

Bitten zum Weiterbeten

Gnädiger Gott, danke, dass du mit uns unterwegs bist auf den Wegen, die wir gehen. In deiner Gegenwart denken wir an Menschen, die mit uns unterwegs sind, die deine und unsere Hilfe brauchen:

Wir denken an Menschen, die ruhelos, rastlos sind. Hilf uns, gemeinsam mit ihnen die Langsamkeit zu suchen und die notwendigen Pausen.

Wir denken an Menschen, die unbeweglich sind und meinen, schon alles erreicht zu haben. Mach ihnen Mut, aufzubrechen und los zu gehen. Hilf uns, Perspektiven aufzuzeigen und gemeinsam nach neuen Zielen zu suchen.

Wir denken an Menschen, die müde oder krank sind an Leib und Seele, die keine Kraft mehr haben zum Gehen. Lass sie Ruhe finden bei dir und neue Kraft schöpfen.

Wir denken an Menschen, die Fremdlinge sind in dem Land, in dem sie leben. Lass sie darauf vertrauen, dass sie neue Wurzeln schlagen können und willkommen sind in ihrer neuen Heimat. Ermutige uns, auf sie zuzugehen und nach ihrem Weg zu fragen.

Wir denken an Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts angefeindet und verfolgt werden. Gib uns den Mut, für sie offen einzutreten und den Mantel des Schweigens zu zerreißen.

In der Stille hören wir auf unser Herz, hören, was uns bewegt:

. . . . . . . . .

Wir beten zu dir mit Worten, die du uns anvertraut hast:

Mit Jesus beten

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Segne uns mit der Weite des Himmels.
Segne uns mit der Wärme der Sonne.
Segne uns mit der Frische des Wassers.
Himmlischer Vater, segne uns! Amen.