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Gottesdienst 23.August

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11. Sonntag nach Trinitatis * Billerbeck, 23. August 2020* „Gratwanderung“

* Glockengeläut *

Lied: Morgenlicht leuchtet / EG 455

Wir sind im Namen Gottes zusammengekommen, um Jesus Christus zu feiernund Gottes guten Geist miteinander zu teilen.
Und so beginnen wir diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

Ich grüße Sie, liebe Gemeinde, sehr herzlich zum Gottesdienstan diesem elften Sonntag nach Trinitatismit dem Monatsspruch:

Psalm 130 / nach Hanns Dieter Hüsch

Aus der Tiefe rufe ich zu dir: Herr, höre meine Stimme!
Denn die Mächtigen und Herrschenden überhören unsere Klage,
unser Schreien stört ihre Politik nicht.
Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein Flehen: Mein Flehen nach Frieden,meine Sehnsucht nach Gerechtigkeit, meine Angst um die Bewahrung unserer Erde.Würdest du, Herr, unsere Sünden aufrechnen, wer könnte vor dir bestehen?

Denn unser Volk hat sich verstrickt in einen Glauben an immer mehr und immer größer. Wir erkennen unseren Irrglauben, darum kommen wir zu dir.
Unser Irrglaube ist unsere Sünde, vergib uns unsere Schuld, und löse uns aus den Irrtümern. Wir wollen dir Ehre geben und sonst niemandem.

Bei dir ist Vergebung und wir können neu beginnen. Auf dich hofft meine Seeleund voller Vertrauen flüchte ich mich zu dir.
Auf dich und deinen Schutz will ich bauen, dir vertrauen, nur dir allein – auf keine Raketen und auf kein Waffensystem -weder im Himmel noch auf Erden- nie und nimmer im Weltall für den Krieg der Sterne.

Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als der Wächter auf den Morgen.
Darum Gott, will ich wachen und beten, damit meine Seele sich nicht in Irrtümer verstrickt, und mein Geist nicht verdorben wird von den Einflüsterungen des Bösen.Denn bei dir ist die Gnade und die einzige Erlösung.
Du löst uns aus den Stricken des Todes entfesselst uns zum Leben-und wir können Feinde zu Freunden gewinnen.
Darum wenden wir uns in unserer Not an dich, du unser Gott:
Du bist der einzige, der uns verändern, die einzige Kraft, die uns bewahren kann. Amen.

Wir treten vor Gott und bitten ihn um sein Erbarmen

Gütig sein-das ist es, was Gott von uns erwartet.
Wir sind aber oft kleinlich und reagieren herzlos und hart.
Wir bitten Gott um sein Erbarmen.

Gerecht handeln-das ist es, was Gott von uns verlangt.
Wir aber verhalten uns oft unsachlich und urteilen einseitig und parteiisch.
Wir bitten Gott um sein Erbarmen.

Die Wahrheit sagen, das ist es, was Gott von uns fordert.
Wir aber nehmen es oft nicht so genau und sind unehrlich und falsch.
Wir bitten Gott um sein Erbarmen.

Gott erwartet nichts Außergewöhnliches von uns.
Gott verlangt nicht Übermenschliches von uns.
Gott fordert nicht Einzigartiges von uns.

Gott will nur, das wir mit unseren Mitmenschen so umgehen, wie er mit uns umgeht.
Deswegen sagt er: „Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.“

Der HERR sei mit euch, und mit deinem Geist.

Hart sind wir manchmal mit unserer Kritik, Gott,
und ungerecht, wenn wir Mitmenschen beurteilen.
Zu sehr achten wir auf das, was ihnen misslingt
anstatt uns mit ihnen zu freuen über das, was sie fertig bringen.
Wir bitten dich, Gott,
um Nachsicht und Verständnis, um Großzügigkeit und Barmherzigkeit,
um Verantwortungsbewusstsein und Gerechtigkeit im Umgang mit anderen.
Lass uns die Menschen sehen, und nicht allein das, was sie können und leisten.

So wie du, Gott, jede und jeden siehst, das Herz und die guten Gedanken,den guten Willen und die lauteren Absichten,den Glauben und die Liebe, die du uns gegeben hast durch Jesus Christus,der die Gnade über das Recht gestellt hat,und den Heiligen Geist, der uns frei macht für ein Leben nach deinem Willen. Amen.

Lesen wir vertraute Worte aus dem Evangelium bei Lukas, 18, 9-14

9 Dann wandte sich Jesus einigen Leuten zu, die voller Selbstvertrauen meinten, in Gottes Augen untadelig dazustehen, und deshalb für alle anderen nur Verachtung übrig hatten. Er erzählte ihnen folgende Geschichte: 10 »Zwei Männer gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, ein Pharisäer und ein Zolleinnehmer. 11 Der Pharisäer stellte sich vorne hin und betete leise bei sich: ›Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen, alle diese Räuber, Betrüger und Ehebrecher, oder auch wie dieser Zolleinnehmer hier! 12 Ich faste zwei Tage in der Woche und gebe dir den vorgeschriebenen Zehnten sogar noch von dem, was ich bei anderen einkaufe!‹ 13 Der Zolleinnehmer aber stand ganz hinten und getraute sich nicht einmal, zum Himmel aufzublicken. Er schlug sich zerknirscht an die Brust und sagte: ›Gott, hab Erbarmen mit mir, ich bin ein sündiger Mensch!‹« 14 Jesus schloss: »Ich sage euch, der Zolleinnehmer ging aus dem Tempel in sein Haus hinunter als einer, den Gott für gerecht erklärt hatte –ganz im Unterschied zu dem Pharisäer. Denn alle, die sich selbst groß machen, werden von Gott gedemütigt, und alle,die sich selbst gering achten, werden von ihm zu Ehren gebracht.«

Glaubensbekenntnis

Lied: Herr, gib, dass ich auch diesen Tag / EG 682

PREDIGT

Liebe Gemeinde,
über manche Leute kann ich nur den Kopf schütteln.

In letzter Zeit besonders. Meine erste Zugfahrt in Corona-Zeiten: Der Zug ist ordentlich voll und bei vielen hängt der Mund-Nase-Schutz nur locker am Kinn. Sogar bei der Zugbegleiterin! So bringt das wirklich nichts, denke ich. Ich habe meine Maske natürlich ordnungsgemäß aufgesetzt und vorder Reise extra gewaschen. Warum kapieren die andern eigentlich nicht, dass es beim Corona-Schutz auf jeden ankommt? Es regt mich auf.

Über manche Leute kann ich nur den Kopf schütteln.

Da hat wieder einer sein SUV haarscharf neben unserem Auto geparkt.Ich würde mir nie so ein Riesenauto kaufen, das massenhaft CO2 in die Luft bläst. Und mein Cousin, der meistens alleine unterwegs ist, behauptet, er fühlt sich einfach sicher darin. Klimaschutz geht uns alle an, lieber Cousin! Das sage ich allerdings nicht, sondern denke es bloß.

Über manche Leute kann ich nur den Kopf schütteln.

Über Donald Trump und alle, die ihn unterstützen, sowieso. „Black Lives Matter“ berührt mich. Die Geschichte von Rosa Parks und Martin Luther King haben mich schon berührt. Es ist erschreckend und verstörend wie tief die Diskriminierung der Schwarzen in den USA immer noch verwurzelt ist. „Und wie ist das bei uns?“ „Was tun wir gegen Rassismus?“ Dazu fällt mir erst mal nichts ein.Es gibt so einige Punkte, da bin ich überzeugt, ich habe Recht. Bin ich nicht gut informiert? Handle ich nicht so verantwortungsvoll wie möglich?
Ja, vielleicht habe ich Recht. Und doch: wer Recht hat und das Richtige tut, wandelt manchmal auf schmalem Grat.

Jesus erzählt eine Geschichte, die wir gerade in der Lesung gehört haben. Dieser Geschichte kann man nicht entkommen. Ganz schnell gleichen wir als Hörerinnen und Hörer dem Bibelleser in einem Gedicht von Eugen Roth:
„Ein Mensch betrachtete einst näher die Fabel von dem Pharisäer,der Gott gedankt vollHeuchelei dafür, dass er kein Zöllner sei.Gottlob! rief er in eitlem Sinn, dass ich kein Pharisäer bin!“

Menschen vergleichen sich mit anderen. Ständig. Ganz schnell tappt man in die Falle. Ganz schnell ist gerade der, der starke Überzeugungen hat, vor allem von sich selbst überzeugt

Um das zu zeigen, wählt Jesus zwei Gruppen, bei denen man zu seiner Zeit zu wissen meinte, wer die Guten und die Bösen sind. Die Pharisäer waren die religiöse Elite. Wir assoziieren mit ihnen heute oft Heuchelei, was auch an dieser Geschichte liegt.
Tatsächlich waren Pharisäer, die Mitglieder einer Laienbewegung, aber durchaus ernst meinende und konsequente Menschen. Ihnen lag viel an einer Erneuerung des Judentums durch persönliche Frömmigkeit. Darin waren sie gar nicht so weit von Jesus entfernt. Die anderen, die Zöllner, waren Steuereintreiber, nicht selten korrupt, die sich von der verhassten römischen Besatzungsmacht ein paar Privilegien erkauft hatten. Das muss man nicht sympathisch finden. Jesus aber stellt Gut und Böse auf den Kopf: Der Pharisäer erhebt sich vor Gott über andere Menschen und spricht sich selbst gerecht; der Zöllner ist demütig und erwartet alles von Gott.

Die christliche Leserschaft hat sich, wie im Gedicht von Eugen Roth, gerne mit dem Zöllner identifiziert: Wie gut, dass wir nicht so selbstgerecht sind wie jener Pharisäer; wir wissen es wenigstens noch und stehen dazu, dass wir Sünder sind. Besonders der evangelische Teil der Christenheit neigte zu etwas, was man „Sündenstolz“ nennt: Wir haben Gott nichts zu bieten, aber –ha! –uns ist unser menschliches Elend wenigstens bewusst! –Und schon schnappt die Falle der Geschichte wieder zu...Heute dürfte es kaum noch möglich sein, sich mit Frömmigkeit und religiöser Praxis zu brüsten. Aber Rechthaberei und Überheblichkeit blühen auch jenseits davon. Je polarisierter eine Gesellschaft ist, desto größer die Gewissheit der einen, den anderen überlegen zu sein. Die anderen, das sind die Idioten, die auf Fake-News, Populismus oder Hetze reinfallen.
Von einer Sache überzeugt zu sein, ohne sich dabei über andere zu erheben –das ist eine Gratwanderung. Der Versuch, demütig zu bleiben, ohne sich dann darauf etwas einzubilden –dabei kann einem schwindelig werden. Letztlich ist dieser Versuch zum Scheitern verurteilt. Darum hat Martin Luther die Christenmenschen als solche beschrieben, die immer „gerecht und Sünder zugleich“ sind. Manche sagen: das ist protestantischer Pessimismus. Ich finde: Das ist der Realismus von Menschen, die sich selbst ganz gut kennen.
Jesus mutet den Menschen, die ihm begegnen, den Moment des Erschreckens über sich selbst zu. Der ist nötig. Aber dabei bleibt es nie. Die Geschichte vom Pharisäer und vom Zöllner zeigt: Man kann, man darf, man soll mit leeren Händen vor Gott stehen. Welche Anforderungen wir selbst und andere auch immer an uns stellen: Vor Gott genügt es, ehrlich und hoffnungsvoll um seine Barmherzigkeit zu bitten.
Mit leeren Händen vor Gott stehen heißt nicht, die Hände in die Hosentaschen stecken. Was wir tun und sagen, wie wir leben, ist damit nicht egal. Nur weil Menschen, die nach ihren Überzeugungen handeln, so schnell von sich selbst überzeugt sind, sollte man nicht aufhören zu tun, was man als richtig erkannt hat. Unsere Geschichte legitimiert nicht den billigen und hässlichen Spott über sogenannte „Gutmenschen“. Im Gegenteil.
Einem Rassisten, Antisemiten oder Verschwörungstheoretiker muss man widersprechen. Eine Wende in unserem Lebensstil braucht Menschen, die sie vorleben und einfordern. Und unser Glaube bedarf durchaus der Menschen, die seine Traditionen und Rituale praktizieren und weitergeben, wie es die Pharisäer zu ihrer Zeit taten.
Wer versucht, das Richtige zu tun, ohne der Selbstgerechtigkeit zu verfallen, ist auf schmalem Grat unterwegs. Vier Gedanken möchte ich nennen, die mir persönlich helfen, dabei die Balance zu halten:

1. Moralische Entrüstung ist fast immer schädlich, besonders dann, wenn sie an die Stelle moralischen Handelns tritt. Das versuche ich mir immer neu zu sagen, wenn es mich juckt, einen Leserbrief zu schreiben. Entrüstung schafft, anders als konstruktive Kritik, keine Veränderung, sondern bloß negative Stimmung.

2. Das Zentrum der Botschaft Jesu sind nicht „Werte“, sondern Liebe, die erfahren, verkündet und weitergegeben wird. Die gelebte Liebe ist viel weniger in Gefahr, sich zu überheben als ein moralischer Anspruch. Jedes Urteil über andere muss geprüft werden, ob es diesem anderen in Liebe dient –oder ob ich mich damit bloß selbst bestätige.

3. Barmherzigkeit lebt von der Phantasie. Ich versuche mir vorzustellen, ich wäre der, über den ich urteile. Nur wenig hätte in meinem Leben anders laufen müssen, dann stünde ich Pharisäer dort, wo jetzt der Zöllner steht. klar, ich habe mir meine Überzeugungen selbst gebildet –aber die Voraussetzungen dafür lagen meistens nicht in meiner Hand. Mit ganz viel Phantasie kann ich mir sogar vorstellen, dass ich es bin, der sich irrt...

4. Miteinander reden ist immer besser als übereinander. Das hat Jesus vorgelebt. Die Geschichte, die Jesus erzählt, ist eingebettet in sein Leben, in dem er sich immer wieder mit beiden, mit den Pharisäern und den Zöllnern, an einen Tisch gesetzt hat. Den anderen zu kennen, schließt Kritik nicht aus. Aber es beugt der Verachtung vor.Mir helfen diese Einsichten, wenn ich in unsererZeit mit denen zu tun habe, über die ich im Stillen –und manchmal auch laut –den Kopf schüttele. Dann denke ich daran, dass ich auf schmalem Grat wandere. Dann kneife ich mich und sage still –und manchmal auch laut –: Gott, sei mir Sünder gnädig! Amen.

Lied: Ich lobe meinen Gott / EG 673,2

Wir danken dir, Gott.
Du hast uns das Leben geschenkt und alles, was wir zum Leben brauchen.
Wir könnten zufrieden sein. Aber wie oft jammern wir, weil wir gerne etwas anderes hätten, oder mehr als das was wir haben!

Wir bitten dich, Gott, für alle, denen es nur um ihr Auskommen und ihren Wohlstand geht. Lass sie bescheiden werden und dankbar, wenn sie Menschen sehen,die gerade einmal das Nötigste haben und oft sogar noch weniger als sie zum Leben brauchen!

Wirbitten dich für alle, die ihren Erfolg und ihr Ansehen über alles stellen;
Lass sie bei dem, was sie tun, das rechte Maß finden, sodass sie Andere und sich selbst nicht überfordern.

Wir bitten dich, Gott, für uns alle!
Lass uns nie vergessen, wie wertvoll das Leben ist, und demütig werdenund dankbar sein für alles was wir sind, und zufrieden mit allem was wir habendurch deine Güte und Gnade.

Vater unser ...

Lied: Wir beten für den Frieden / EG 678

Zärtlicher Segen möge dich erfüllen am heutigen Tag im stündlichen Innehaltendamit dir die Erinnerung geschenkt sei anerkannt zu sein in all deinen Entfaltungsmöglichkeiten und inmitten deiner Widersprüchlichkeiten.

Wohlwollender Segen lasse dich die tiefe Verbundenheit spüren mit allem, waslebtdamit dein Atem dich zu ökologischer Achtsamkeit bewegt.

Erfrischender Segen möge dich zum Staunen begeistern über all die Wunderdie dir in Begegnungen mit Menschen und Schöpfung entgegenkommen.