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Gottesdienst 1.November

Gottesdienstablauf zum „Gedenktag der Heiligen“ zur Corona-Zeit,
am 1. November 2020 als PDF zum Download von Dietmar Jeske.

Zünden Sie eine Kerze an, stellen Sie, wenn vorhanden, ein Kreuz auf, stellen Sie Ihr Handy / Telefon auf lautlos und stimmen Sie sich damit ein, zu diesem Gottesdienst.

Begrüßung: mit Tagesspruch

1. Lied: EG 542 1+4 (Link: www.youtube.com/watch?v=6NABlgzKxOw)

P.: Liturgische Eröffnung : Im Namen des Vaters...

Psalm 150: EG 764

Lobpreis: EG 177.2 (Link: www.youtube.com/watch?v=kluMYwgx43I)

P.: Tagesgebet (endet mit: Herr erbarme dich) Kyrie: EG 178.9 (Link: www.youtube.com/watch?v=yU7faqGWFdU)

P.: Gnadenspruch, (endet mit: Ehre sei Gott in der Höhe)

Gloria: EG 179 (Link: www.youtube.com/watch?v=y7MGtY-voNA)

L.: Epistel-Lesung: Offb 7, 9-12 + Halleluja-Vers Halleluja: EG 182 (Link: www.youtube.com/watch?v=Ti2jX9wiWmk)

Apostolisches Glaubensbekenntnis

2. Lied: EG 253 1,4+5 (Mel.: Bis hierher hat mich Gott gebracht – EG 329) (Link: www.youtube.com/watch?v=ptWbzNmUmwQ)

Predigt

3. Lied: EG 666 1-4 (Link: www.youtube.com/watch?v=JbvctavN6pY)

Dank- + Fürbittengebet
Vaterunser

P.: Wochenspruch
P.: Segen (v. Dietrich Bonhoeffer)
G.: Amen

5. Lied: EG 264 1+3 (Link: www.youtube.com/watch?v=rmN7SNRuDws)

Begrüßung
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge,
sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

(Eph 2, 19)

Mit diesem Vers aus dem Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Ephesus grüße ich Sie zu diesem besonderen Gottesdienst zum „Gedenktag der Heiligen“.
- Allerheiligen, ein Hochfest der katholischen Kirche, nun auch bei uns?
- Müssen wir denn alles nachmachen?
- Reicht es nicht, wie gestern, das Fest der Reformation als Gegenfest zu feiern?

Nein, nicht nachmachen, keine Gegenfest, sondern Altes wieder aus der Versenkung holen, was mit der Reformation nicht verboten, sondern mit anderen Vorzeichen, also verändert, gefeiert wurde.
Es wurde später vergessen und erst 1955 wieder entdeckt.
Selbst in unserem aktuellen Gesangbuch, im Liturgischen Kalender, unter der Nummer EG 1005, Seite 1508, ist dieser Tag erwähnt und wurde 2018 im neuen Lektionar mit geänderten Texten und Liedern weiter empfohlen zu feiern.
Am Gedenktag der Heiligen freuen wir uns darüber, dass Gott sich seine Kirche in dieser Welt erwählt und wir in diese Kirche mit hineingerufen sind. Auch wir gehören zur Gemeinschaft der Heiligen, die keinen Anfang und kein Ende hat, es sei denn in Gott selbst, der allein uns heiligt. So lassen wir uns auch Hilfen geben, wenn wir hören, wie Gott durch Menschen, die vor uns gelebt haben, in dieser Welt wirkt, und stellen uns selbst für den Dienst am Wort Gottes zur Verfügung.

Möge Gott diesen Gottesdienst segnen
zu seiner Ehre.
Amen

1. Lied – EG 452 1+4 1.

Er weckt mich alle Morgen;
er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen,
führt mir den Tag empor,
daß ich mit seinem Worte
begrüß’ das neue Licht.
Schon an der Dämmerung Pforte
ist er mir nah und spricht.

4. Er ist mir täglich nahe
und spricht mich selbst gerecht.
Was ich von ihm empfahe,
gibt sonst kein Herr dem Knecht.
wie wohl hat’s hier der Sklave,
der Herr hält sich bereit,
dass er ihn aus dem Schlafe
zu seinem Dienst geleit.

Eingangsvotum

Wir feiern diesen besonderen Gottesdienst:

Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Herr sei mit Dir!

Psalm 150 / EG 764

Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligtum,
lobet ihn in der Feste seiner Macht!

Lobet ihn für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!

Lobet ihn mit Posaunen, lobet ihn mit Psalter und Harfen!

Lobet ihn mit Pauken und Reigen, lobet ihn mit Saiten und Pfeifen!

Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden Zimbeln!

Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja!

Tagesgebet

Wir beten:

Heiliger, ewiger Gott,
durch die Taufe hast du mich(uns) eingefügt in den vielstimmigen Chor deiner Heiligen, die dich rühmen im Himmel und auf der Erde:
Ihre Gemeinschaft stärke mich(uns) in den Wirren der Welt und wecke in mir(uns) die Freude auf den Tag, an dem ich(wir) zusammen mit allen Erlösten dich preise(n) ohne Ende.

Kyrie eleison, Herr erbarme dich

Gnadenspruch

Die auf den Herrn vertrauen,
werden seine Zuversicht erfahren,
und die treu sind in der Liebe,
werden bei ihm bleiben.
Denn Gnade und Barmherzigkeit
wohnt bei seinen Heiligen,
und er sucht seine Auserwählten
gnädig heim.

(Buch der Weisheit 3,9)

„Ehre sei Gott in der Höhe“

Epistel – Lesung
(Offenbahrung 7, 9-12)

Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei unserm Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm! Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Wesen und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Halleluja,
Singet dem Herrn ein neues Lied,
die Gemeinde der Heiligen soll ihn loben.

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Als Antwort auf die Schriftlesung loben wir Gott und bekennen unseren christlichen Glauben

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn,
unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt,
gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.

2. Lied – EG 253 1,4+5

1. Ich glaube, dass die Heiligen
im Geist Gemeinschaft haben,
weil sie in einer Gnade stehn
und eines Geistes Gaben.
So viele Christus nennet sein,
die haben alles Gut gemein
und alle Himmelsschätze.

4. So trägt ein Glied des andern Last
um seines Hauptes willen;
denn wer der andern Lasten fasst,
lernt das Gesetz erfüllen,
worin uns Christus vorangeht.
Dies königlich Gebot besteht
in einem Worte: Liebe.

5. Ich will mich der Gemeinschaft nicht der Heiligen entziehen;
wenn meinen Nächsten Not anficht so will ich ihn nicht fliehen.
Hab ich Gemeinschaft an dem Leid,
so lass mich an der Herrlichkeit
auch einst Gemeinschaft haben

Predigt
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit dir (euch allen)!

Liebe Gemeinde!

Der Predigttext für diesen besonderen Tag steht bei Matthäus im 5. Kapitel, und ist den meisten von uns bekannt:

Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg. Und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen.

Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden.
Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

Liebe Gemeinde:
Versetzen wir uns in die Zeit vor dem 31.Oktober 1517:

An jedem 1. November feierte der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise ein großes Fest in seiner Residenzstadt Wittenberg.

Im Mittelpunkt dieses Festes stand seine Vielzahl an Reliquien, sprich alte Knochen – Menschenknochen, die in kostbaren Behältern ausgestellt wurden. Es waren angeblich die sterblichen Überreste längst verstorbener berühmter Christen.

Luther äußerte sich über den Reliquienkult in seiner bekannten derben Art und Weise:
„Von den 12 Aposteln, die mit unserem Herrn Jesus Christus unterwegs wagen, liegen die Reliquien von 14 Aposteln hier in Deutschland.“
Über die Anzahl der überall in der Welt vorhandenen Kreuzreliquien spottete er ebenso:
„Wenn man die Splitter des Kreuzes unseres Herrn zusammenfügt, so können wir daraus die Arche Noahs bauen.“

Wir wollen aber in der heutigen Zeit und der besonders guten ökumenischen Verbundenheit das Anbeten von Reliquien durch unsere katholischen Schwestern und Brüdern nicht verunglimpfen.
Es waren eben damals die Gründe, die neben dem Ablasshandel zur Spaltung der Kirche führten.
Jedes Jahr, so auch im Jahr 1517 strömten viele Manschen zum Allerheiligentag, nach Wittenberg, um diese Reliquien zu bewundern, anzubeten und die jeweiligen Heiligen um Fürsprache bei Gott und Jesu zu bitten.

So nutzte Martin Luther die Gelegenheit um den Gelehrten unter den vielen frommen Touristen seine 95 Thesen über den Ablasshandel bekannt zu machen.

Er schlug sie am Vorabend des Festes, am 31. Oktober, in Lateinischer Sprache, der Sprache der Gelehrten, an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Darum feiert die evangelische Christenheit einen Tag vor dem römisch-katholischen Allerheiligenfest ihr Reformationsfest.

Dass man in der dazwischen liegenden Nacht das unfromme Halloween begeht, kommt daher, dass man sich vor allem im englischsprachigen Raum allerlei Spukgeschichten zu erzählen pflegte von Heiligen, die vor ihrem großen Festtag am 1. November als Totengeister auf den Friedhöfen sichtbar wurden; „Halloween“ heißt eigentlich „All-Hallows-Evening“, zu Deutsch: „Allerheiligen-Abend“.

Luther und die anderen Reformatoren würden zu diesem Geschehen genauso erbost sein, wie sie es auch zur Reliquienverehrung getan haben.
Aber man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.
Dass man an Christen früherer Generationen denkt und sie sich zum Vorbild nimmt, das ist durchaus gut und richtig.
Und darum ist es nicht verkehrt, den Gedenktag der Heiligen am 1. November auch in der evangelischen Kirche zu begehen.

Im Augsburger Bekenntnis, der Haupt-Bekenntnisschrift der Lutherischen Kirche, heißt es im 21. Artikel: „Über die Verehrung der Heiligen wird von den Unseren gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit unser Glaube dadurch gestärkt wird.“

Von Heiligen handelt auch der Anfang der Bergpredigt.

Er besteht aus den berühmten Seligpreisungen, die wir eben als Predigttext gehört haben.
Und da lernen wir zunächst:
Heilige haben es gut!
Sie werden „selig“ genannt.
Sie sind glücklich,
sie können sich freuen,
sie haben gewissermaßen das große Los gezogen.

Heilige sind Selige – heilig und selig gehören untrennbar zusammen.

Und wir erkennen zugleich:
Heilige sind Jünger Jesu, denn Jesus spricht diese Seligpreisungen seinen Jüngern zu, als er auf dem Berg predigt.

Heilige müssen nicht unbedingt tot sein; Jesus wendet sich mit seinen Seligpreisungen ja an Lebende.

Sich freuen und selig sein kann man als Jünger Jesu bereits in diesem Leben.

Und wir merken ebenfalls:
Heilige müssen keine Superfrommen sein.
Jesus beschreibt sie als ganz normale Christen:
- Heilige sind demütig und geistlich arm; sie wissen, dass sie bei Gott nicht den starken Mann markieren müssen.
- Heilige haben ein reines Herz, sind ohne Hinterhalt und schmutzige Gedanken.
- Heilige sehnen sich nach Gottes Gerechtigkeit, und sie sehnen sich auch nach Gerechtigkeit und Frieden unter den Menschen. Darum versuchen sie, Frieden zu stiften und anderen Menschen Gutes zu tun. Obgleich Heilige es gut haben, so bleibt ihnen doch das Kreuz der Nachfolge nicht erspart: Sie erfahren Leid und Trauer wie andere Menschen, und sie werden darüber hinaus noch oft genug wegen ihres Glaubens verspottet oder sogar verfolgt. Ja, so beschreibt Jesus die Heiligen:
keine Superfrommen, sondern ganz normale Menschen.

Allerdings sagt Jesus nicht, dass es diese Eigenschaften sind, die sie heilig und selig machen.
Er sagt nicht: „Ihr seid selig, weil ihr ein reines Herz habt“,
auch nicht: „Ihr seid selig, weil ihr Frieden stiftet“ oder „weil ihr barmherzig handelt“.
Der Grund zur Freude liegt bei den Heiligen nicht in ihren Eigenschaften oder irgendwelchen frommen Tugenden, sondern der Grund zur Freude liegt bei dem, was Jesus jeweils in der zweiten Hälfte seiner Seligpreisungen sagt:
„… denn ihnen gehört das Himmelreich;“
„… denn sie sollen getröstet werden;“
„… denn sie werden Barmherzigkeit erlangen;“
„… denn sie werden Gottes Kinder heißen;“
und so weiter.

Jesus nennt da Geschenke, die den Heiligen gemacht werden, und diese Geschenke sind es, über die sie sich freuen können und die sie selig machen. Dabei ist selbstverständlich klar, wer der Geber dieser Geschenke ist: der Vater im Himmel. Er schenkt den Heiligen das Himmelreich, er tröstet sie in Traurigkeit, er ist ihnen barmherzig und vergibt ihre Sünden, er hat sie zu seinen Kindern gemacht. Wie schon gesagt: Selig sind die Heiligen nicht wegen ihres Tuns oder ihrer Frömmigkeit, sondern wegen Gottes Tuns und wegen Gottes Barmherzigkeit, die ihnen geschenkt wird!

Das sagt auch schon ihr Name aus. „Heilig“ bedeutet nämlich „zu Gott gehörig“. Heilige sind Menschen, die zu Gott gehören.
- Heilige gehören deshalb zu Gott, weil Gott ihnen seine Gemeinschaft geschenkt hat.
- Heilige gehören deshalb zu Gott, weil sie geheiligt sind durch das Blut, das Jesus am Kreuz für sie vergossen hat; darum ist Gott ihnen barmherzig und vergibt ihnen alle Sünden.
- Heilige werden von Gott angesehen wie sündlose Leute, weil alle ihre Sünden abgewaschen sind.
- Heilige sind in der Taufe vom Schmutz der Sünde gereinigt und Gottes Kinder geworden. Kurz gesagt: Heilig-Sein ist keine Leistung, sondern ein Geschenk von Gott – unverdienterweise!

Liebe Gemeinde, jetzt merken wir es ganz deutlich:
Heilige sind nicht nur tote, sondern auch lebendige Christen. Heilige sind nicht nur die etwa 12.000 Menschen, die von Päpsten im Laufe der Kirchengeschichte heilig oder selig gesprochen wurden, sondern es sind alle Christen: Kinder und Greise und bereits Verstorbene, Menschen mit starkem Glauben und Menschen mit schwachem Glauben, auffallend Fromme und Unauffällige. Und weil ihre Heiligkeit von Gottes Gnadengeschenk herkommt und nicht von ihren eigenen Leistungen, sind sie auch alle gleich heilig; da gibt es keine Rangunterschiede. Martin Luther hat einmal geschrieben: „Weil wir neu geboren, Gottes Kinder und Erben sind, so werden wir dem heiligen Paulus, dem heiligen Petrus, der Maria und allen Heiligen gleich an Würde und Ehre“.
Dass sich Luther bei seinem Aufenthalt auf der Wartburg nicht räumlich sicher war, sondern sich auch unter Gottes Schutz wähnte verewigte er auf dem Tisch an dem er die Bibel übersetzte, mit den Worten: „Ich bin getauft!“ Und darum dürfen auch wir, als Getaufte, die Seligpreisungen unseres Herrn auf uns beziehen: – Wir sind selig, – wir haben es gut, – wir haben Grund zur Freude, denn Gott hat uns ja Barmherzigkeit erwiesen, unsern Hunger und Durst nach Gerechtigkeit gestillt, zu seinen Kindern gemacht und in sein Reich aufgenommen. Wenn wir diese göttlichen Geschenke im Glauben annehmen und sie Grundlage unseres Lebens sein lassen, dann werden sich als Früchte dieses Glaubens auch die Dinge einstellen, mit denen Jesus die Heiligen bzw. Seligen beschrieben hat:
Wir werden demütig und kindlich einfältig im Glauben, unser Herz wird rein, wir werden friedlich und barmherzig, und wir werden auch gewürdigt, unseren Teil an Kreuz und Leid in der Nachfolge des Herrn zu tragen – wir werden es dann tatsächlich als Auszeichnung ansehen können wie so viele andere Heilige vor uns. Wenn wir uns also heute und vielleicht auch an anderen Tagen an bereits verstorbene Heilige erinnern, dann erinnern wir uns quasi an Kollegen, an Mit-Heilige, an Brüder und Schwestern als Vorbilder im Glauben, wie es in der Augsburger Bekenntnisschrift steht:
„Über die Verehrung der Heiligen wird von den Unseren gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit unser Glaube dadurch gestärkt wird.“

Es geht beim Heiligen-Gedenken um uns selbst, liebe Gemeinde!
- Unser Glaube wird stark, wenn wir betrachten, wie Gott Menschen vor uns das Heil geschenkt hat, oft auf ganz verschlungenen Lebenswegen und auf wunderbare Weise.
- Unser Glaube wird stark, wenn wir betrachten, was für erbärmliche Typen und grobe Sünder Gott bekehrt und zu Heiligen gemacht hat.
- Unser Glaube wird stark, wenn wir darauf achten, wie die Heiligen vor uns ihren Glauben bekannt und den Herrn Jesus Christus verkündigt haben.

Es geht beim Heiligen-Gedenken also letztlich um uns selbst und um unseren Glauben.

Nachdem Gott uns durch die Taufe geheiligt hat, geht es nun darum, dass wir auch heilig leben und in dieser Heiligkeit bis ans Ende bleiben.

Dabei hilft es, wenn wir uns in einer langen Kolonne von Heiligen sehen, die alle unterwegs sind zur ewigen Seligkeit.

Es hilft, darauf zu achten, wo die Heiligen vor uns gehen und wie sie gehen.

Denn dann werden wir gewiss, dass wir auch da ankommen, wo sie schon angekommen sind.

Und der Friede Gottes,
welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus unserem Herrn.
Amen.

3. Lied – EG 666 1– 4

1. Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt.
Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.

2. Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt.
Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.

3. Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt.
Selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleibt.

4. Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht.
Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.

Dank- & Fürbittengebet

Wir wollen beten:

Herr, unser Gott,
wir danken dir für die vielen Menschen zu allen Zeiten, die voller Freude deinen Weg des Lebens gegangen sind; für die vielen Zeugen und Märtyrer, Frauen und Männer, die ihr Leben geopfert haben, damit dein Leben in seiner Fülle aufleuchte, damit dein Reich sich entfalte.

Herr, wir danken dir
für die, die den Weg deines Sohnes gewählt haben,
den Weg unseres Bruders, Jesus Christus.
Hoffnung haben sie behalten inmitten der Angst.
Liebe haben sie entzündet inmitten des Hasses.
Deine Macht haben sie bezeugt inmitten der Verfolgung.
Deiner Verheißung haben sie geglaubt inmitten der Verzweiflung
Herr, wir danken dir für die Wahrheit, die sie erfahren haben und uns weitergeben:
Wenn wir selbst schenken, werden wir reich. Wenn wir schwach werden, erwächst uns Kraft. Wenn wir andere lieben, erfahren wir Liebe.
Wenn wir unser Leben einsetzen, erblüht Gottes Reich.
Wenn wir sterben, werden wir das ewige Leben erben.

Mit den Worten Jesu beten wir weiter:

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Sei(d) für diese Woche beschützt unter dem Segen Gottes
mit den Worten Dietrich Bonhoeffers.

Gott der Herr,
segne deine Hände, dass sie behutsam sind,
dass sie halten können ohne zur Fessel zu werden,
dass sie geben können ohne Berechnung,
dass in ihnen innewohnt die Kraft zu trösten und zu segnen.
Gott der Herr,
segne deine Augen, dass sie die Bedürftigkeit wahrnehmen,
dass sie das Unscheinbare nicht übersehen,
dass sie hindurch schauen durch das Vordergründige,
dass andere sich wohlfühlen können unter meinem Blick.
Gott der Herr,
segne deine Ohren, dass sie seine Stimme hören,
dass sie hellhörig sind für die Stimmen der Not,
dass sie sich verschließen für den Lärm und das Geschwätz,
dass sie das Unbequeme nicht überhören.
So segne dich der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

4. Lied – EG 264 1+3

1. Die Kirche steht gegründet
allein auf Jesus Christ,
sie, die des großen Gottes
erneute Schöpfung ist.
Vom Himmel kam er nieder '
und wählte sie zur Braut,
hat sich mit seinem Blute
ihr ewig angetraut.

3. Schon hier ist sie verbunden
mit dem, der ist und war,
hat selige Gemeinschaft
mit der Erlösten Schar.
Mit denen, die vollendet,
zu dir, Herr, rufen wir:
Verleih, dass wir mit ihnen
dich preisen für und für.

Wochenspruch

Der Wochenspruch für die nun beginnende Woche des 21. Sonntags nach Trinitatis: steht im Römerbrief im 12. Kapitel:

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit und vor allen Gesundheit! Passen Sie gut auf sich auf!

Ihr Diakon Dietmar Jeske