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1.Advent

von Pastorin Renate Langenheder als PDF zum Download.

Eröffnung

Im Namen des Vaters,
des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Melodie 17,1

Wir sagen Euch an den lieben Advent.
Sehet, die erste Kerze brennt!
Wir sagen euch an eine heilige Zeit.
Machet dem Herrn den Weg bereit.
Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.


Sehr herzlich grüße ich alle, die unseren Gemeindegottesdienst zuhause
mitfeiern oder später sich in die Gedanken und Gebete einfinden.

Ob wir den diesjährigen Advent als 'lieb' empfinden werden, wie es das Lied sagt, wage ich zu bezweifeln.

Er ist anders, dieser Advent des Jahres 2020,
aber von Gott her dennoch 'lieb' gemeint.
Auch der Advent dieses Jahres soll uns helfen,
unsere Gottesbeziehung neu wahrzunehmen,
zu vertiefen, zu verlebendigen.
Wir begehen diese Zeit des Advent,
um dessen inne zu sein, dass Gott uns besucht aus
seiner Höhe.
Er will in uns wohnen und uns anleiten
zu einem Leben in der Nachfolge Jesu.
Möge unser gottesdienstliches Zusammensein
heute morgen dazu beitragen.

Zum 1. Advent gehört der 24. Psalm.
Ich lade Sie ein, ihn in der Bibel aufzuschlagen und zu sprechen.

Psalm 24,1-10

Eingangsgebet

Ja, Herr, wir möchten vor dir stehen
und nicht vergehen müssen
vor Angst und Selbstunsicherheit.
Wir möchten dir alles hinhalten,
was nicht so ist, wie es sein könnte.
Wir möchten unseren Gram,
unsere
Unzufriedenheit,
unsere Gefährdungen bei dir abgeben
und frei sein, innerlich frei,
von allem, was uns schwer
auf der Seele liegt.
Gib uns dazu deines Geistes Kraft
und lass uns spüren,
wie sich verschlossene Türen
auftun, Ängste weichen
und die
Gewißheit deiner Nähe
in uns Raum bekommt
und uns bleibt in dieser Adventszeit
und weiter.
Durch Jesus Christus unseren Herrn,
wagen wir dieses Gebet und
unser Vor dir stehen, ohne Angst,
befreit zur Gotteskindschaft durch IHN,
der mit dir und dem H
eiligen Geist lebt und regiert
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen

Evangelium des heutigen Sonntags, Matthäus 21,1-11

1Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus 2und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! 3Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.

4Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sach 9,9): 5»Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«

6Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, 7und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. 8Aber eine sehr große Menge

breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 9Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach:

Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

10Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der? 11Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa.

Lied:13,1-3 Tochter Zion

Glaubensbekenntnis

Predigt mit dem Lied: 'Macht hoch die Tür, die Tor macht weit..'


Liebe Schwestern und Brüder,

im Advent des Jahres 2020 ist alles anders.
Ein Virus hat weltweit alles auf den Kopf gestellt,
viele Selbstverständlichkeiten unseres weithin
relativ sorglosen Lebens weggefegt.
Auch unsere kirchlichen Selbstverständlichkeiten sind davon betroffen:
Keine Zusammenkünfte in den Gemeindegruppen,
Gottesdienste auf Abstand, mit Mund
Nasenschutz,
kein Gesang.
Letzteres wiegt am schwersten, finde ich,
gerade in der Advents
und in der bevorstehenden Weihnachtszeit.
So habe ich es mir für diese Predigt vorgenommen,
das Lied von Georg Weissel zu interpretieren,
das wie kein anderes in der Adventszeit unsere Herzen berührt.
Gedichtet hat er es während des Dreissigjährigen Krieges
in Königsberg, kurz vor seinem Tod, 1635.
Man erzählt, dass er auf seinem Sterbebett hörte,
wie der Besuch des polnischen Königs in Königsberg
feierlich mit Zimbeln und Trompeten begangen wurde.
Der 45jährige Pastor muss sich gedacht haben:
Verdient der ankommende Jesus Christus nicht auch ein
so feierlich wohlklingendes Geleit?
Verdient er es nicht mehr als alle weltlichen Herrscher,
wenn sie auch noch so freundlich daherkommen?
So wurde Georg Weissel's Inspiration das Lied geschenkt,
von dem ich zunächst die 1. Strophe vortrage:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!
Es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

Geht es Euch wie mir?
Es berührt so schmerzlich, dass doch den vielen der Zuruf gilt:
Zersprengt die Türen, macht die Tore weit… für den Herrn der Herrlichkeit!
Jubelt ihm entgegen, ehrt ihn mit festlicher Musik!!
Und wir sind eine Handvoll Menschen,
mit verhüllten Gesichtern, unsicher auf unseren Stühlen.
Einsam in unseren Häusern und Stuben.
Wir können nicht vernehmlich singen noch jauchzen.
Was für eine Versammlung
für den ankommenden Christus,
den Retter der Welt!
Aber Hand auf's Herz:
Sind wir im Augenblick nicht ohnehin eher geneigt,
die BiochemikerInnen als Weltenretter zu empfinden,
die den Impfstoff hervorbringen gegen Covid 19
und uns damit, wie wir hoffen, ein Stück 'alte Welt' zurückgeben?
Sind wir nicht eher geneigt,
den Chef des Robert Koch Instituts Lothar Wieler für den wichtigsten
Referenten des Tages zu halten und lesen ihm seine Zahlen
über die Ansteckungen des vergangenen Tages vom Munde ab, als Hoffnungs oder Hiobsbotschaft?
Und Heldinnen des Alltags sind mit Recht längst die Menschen,
die weltweit in Medizin und Pflege bis an den Rand der Erschöpfung
das Ihre tun, um erkrankte Menschen zu versorgen!

Vielleicht ist darum die Frage
um so dringlicher, die ich uns nicht ersparen kann:
Was bedeutet es uns,
was bedeutet es der Welt in der wir leben,
dass wir hier der Kirche im Jahre 2020 die Tore aufmachen
für Jesus Christus?

Hören wir auf die 2. Strophe:
Er ist gerecht ein Helfer wert,
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Szepter ist Barmherzigkeit;
all unsere Not zum End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.


In seiner zweiten Strophe öffnet uns Georg Weissel allein
und ausschließlich den Blick
für den ankommenden Christus.
Er reißt damit unseren Horizont auf,
den die Krisen unserer Welt
eng um uns geschnürt haben.

Und er zeigt uns damit zugleich
die Grenzen unserer eigenen menschlichen
Möglichkeiten auf, ob uns das gefällt oder nicht.

Ich nehme seine Gedanken auf:
ER, Christus, führt Gerechtigkeit mit sich. ER allein.
Wir werden die absolute Gerechtigkeit für alle
nicht hervorbringen. Das Leid bleibt ein
ungeliebter Begleiter
unseres Menschenlebens.

Militanz und Machtgebaren sind ihm fremd.
In unserer Menschenwelt triumphieren sie.

ER, Christus, ist der wirklich Helfende,
wenn alle menschliche Hilfe zurückbleibt,
…im Sterben und im Tod.

Dann ist da seine ausgestreckte Hand, die wir ergreifen und
festhalten werden mit allem Vertrauen, dessen wir fähig sind.

Gekrönt ist der ankommende Christus mit Heiligkeit.
Sie umgibt ihn seit Jahrtausenden
im anbetenden Gestus der Menschen,
die erschaudern vor dem, was nicht verfügbar ist.

Was ist uns heilig in unseren Tagen?
Die Gesundheit? Der Schmerz über das, was nicht mehr geht,
was uns das Leben versagt hat?

Jesu Macht offenbart sich in Barmherzigkeit.
Unsere Menschengesellschaft auf dem Globus
könnte noch sehr viel lernen!

Alle Not bringt ER an ein Ende,
ER muss es tun, ER wird es tun.

Wie viel Not, von der wir hören und wissen,
können wir Menschen nicht wenden!
Ist in uns das Vertrauen in Christus lebendig,
dass ER alle Not zum Ende bringt?
Bleiben wir bei IHM innerlich?
Und stellen wir uns tapfer der Realität
und dem, was machbar bleibt an Hilfe, an Barmherzigkeit,
an Not wendendem Handeln, an Liebe und Herzenswärme?

Hören wir auf die 3. Strophe:

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat!
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein!
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn,
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.


Georg Weissel, obwohl lutherischer Pfarrer und
mithin Repräsentant seiner Kirche,
identifiziert den ankommenden Christus nicht
mit kirchlichem Handeln.
Das alleinige Gegenüber des ankommenden Christus
ist unser Menschenherz.

Und das, was wir aus der innigen Gemeinschaft
mit Christus heraus tun für Land und Stadt
ist in unserer alleinigen Verantwortung
und kann von niemandem eingefordert oder verfügt werden.

Damit ist es freilich auch allein in unserer Verantwortung,
wie viel Wohnrecht wir Jesus Christus
in unserem Herzen geben.
Ob er in uns heimisch ist
oder nur manchmal zu Gast….
oder heimlich oder gar nicht.

Doch wir in der Kirche müssen uns fragen,
ob wir für die vielen in unserem Land hilfreich sind,
dass sie erfassen, wie überlebenswichtig es ist,
sich Jesus Christus als dem Ankommenden zu verbünden, innerlich!
Und ihn bei sich zu wissen auch in der Frage,
die sich gerade allenthalben stellt: Wie wir leben wollen.

Im Augenblick zwingt uns ja Covid 19 dazu,
unseren Lebensstil zu überdenken,
mit dem wir schon seit Jahrzehnten unseren Globus
an den Rand seiner Möglichkeiten bringen.
Es zeigt uns der Virus auch unmissverständlich,
dass wir unser Verhältnis zur Tierwelt und zur Natur
radikal verändern müssen.
Und er zeigt uns auch,
dass es nicht nur im Maskentragen und Abstandhalten
auf jeden einzelnen ankommt,
sondern eben auch in der individuellen Lebensführung,
in dem, was ich als Glück und Lebenserfüllung sehe.

Georg Weissel ist sehr klar in der Aussage,
dass Lebensfreude durch Gotteserfahrung genährt wird.
Er nennt Christus die Freudensonne und
Leben mit ihm ist ihm Wonne und Glück!

Wie kann kirchliches und gottesdienstliches Leben
zu solchen Erfahrungen beitragen?

Betrachten wir die 4. Strophe:
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
eu'r Herz zum Tempel zubereit't;
die Zweiglein der Gottseligkeit,
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud!
So kommt der König auch zu euch,
ja Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad.
voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

Was ist Gottseligkeit?
Es ist kein Begriff, der noch in unserer Sprache vorkäme.

Aber für mich ist er seit ich denken kann
mit dem Leben meiner Urgroßmutter verbunden.
Ich möchte Euch ein
wenig an ihrem Leben Anteil geben.
Ich kenne meine Urgroßmutter
nur aus den Erzählungen meiner Mutter,
die in ihrem Haushalt aufgewachsen ist.
Es war ein ärmlicher Haushalt in
einem kleinen fränkischen Dorf.
Das Leben meiner Urgroßmutter
und der Pflegekinder, die in diesem Haushalt
aufwuchsen Anfang des letzten Jahrhunderts
war durch die Gewalttätigkeit und die Trunksucht
ihres Ehemannes bestimmt.
Sie hat dieses Leben nur ausgehalten,
so hat meine Mutter erzählt,
weil sie alle 150 Psalmen der Bibel auswendig konnte.

Sie lebten und sprachen in ihr und haben
ihr geholfen, bei den Pflegekindern zu bleiben,
sie zu versorgen, und in dem Elend von Armut
und Gewalt nicht zu verzweifeln.

Gottseligkeit?
Ja.


Meine Mutter hatte von ihr als Adventsbrauch
übernommen, kurz vor Weihnachten
noch hinter jedes Bild in unserer Stube
einen Tannenzweig zu stecken.
Es sollte mich wundern,
wenn die Anregung dazu nicht aus unserem Lied käme:
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud!


Dass ein gottseliges Leben uns in diesem Advent
des Jahres 2020 möglich sei und weiter,
das gebe uns Gott in seiner Gnade.

Ich lade Sie ein, die Worte der 5. Strophe
nun zu Ihrem Gebet werden zu lassen.

Komm, o mein Heiland Jesus Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist;
ach zieh mit deiner Gnade ein,
dein Freundlichkeit auch uns erschein;
dein heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ew'gen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

Bleiben wir noch für eine Weile bei dem Inhalt dieses Gebetes in der Stille.

...

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere
Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied: 11,1-3

Fürbitten

Herr Jesus Christus,
Du bist in Jerusalem eingezogen, damals,
vor 2000 Jahren, auf einem Esel, armselig,
sanftmütig.
Die Menschen damals haben sich der Worte
des Profeten Sacharja erinnert,
700 Jahre vorher,
der den Einzug des Messias auf diese Weise
ankündigte und sie jubelten dir zu.

In deinem Wort kommt deine Ankunft auf uns zu,
die wir in dieser Gegenwart des Jahres 2020 leben.
Halte in uns den Glauben,
dass du unser Retter bist, unser Helfer
in dieser krisenhaften Zeit,
die uns in die Vereinzelung treibt,
und uns unseren Ängsten ausliefert.
Nimm unser Leben hinein in dein Wort,
lass es bestimmend sein für unser
Selbstverständnis und präge es unseren Herzen ein,
wir gehören zu dir und du gehörst zu uns,
unverlierbar. Treu. In Wahrhaftigkeit.

Wir bitten für deine ganze Christenheit
in der Welt, dass ihr Bekenntnis zu dir gelebt wird
in Wort und Tat, dass auch der stille Lobpreis hörbar bleibt
und Gemeinschaft auf Distanz nicht zur Illusion verkommt.
Wir bitten für die unübersehbar Vielen auf deiner Welt,
Wir bitten für die unübersehbar Vielen auf deiner Welt,
die leben und leiden,
die kämpfen und unterliegen,
die fliehen und nirgendwo willkommen sind.
Du bist o Christus ihre alleinige Zuflucht.
Nimm sie an dein Herz.

Wir bitten für die vielen, die ihre Menschlichkeit
nicht verraten,
die heilen und pflegen, sorgen und versorgen, zuhause,
in den Krankenhäusern, den Altenheimen,
in Einrichtungen der Jugend und Suchtkrankenhilfe.
Wir bitten für die vielen, die ihre Menschlichkeit
bewahren und retten und helfen,
selbst in ausweglosen Situationen, in den Flüchtlingslagern,
auf dem Meer, in den Häusern der Armut
und des Verlorenseins,
in den Wohnungen, in denen
Gleichgültigkeit wohnt und Gewalt.
Bleib mit deiner Kraft bei allen, die menschlich bleiben
und segne ihre Hände und ihre Füße,
ihre Kreativität und Organisationskraft

Wir bitten für Ilse Engel, die zu unserer Gemeinde gehörte.
Du hast sie heimgerufen in dein ewiges Reich.
Mögen Engel sie begleiten auf ihrem letzten Weg
und schenke ihr den Frieden,
den sie für sich ersehnt hat.
Tröste alle, die um sie trauern mit
der Kraft deines Wortes.
Was uns jetzt persönlich bewegt, vertrauen wir dir an in der Stille

...

Komm zu uns gnädig, Herr und zu allen,
die wir dir nannten.
Dein Heiliger Name sei gelobt jetzt und in Ewigkeit.
Amen

Vaterunser

Der HERR segne dich und behüte dich.
Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.