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Gottesdienst 3.Januar

Gottesdienst@home Billerbeck 3. Januar 2021
von Dagmar Spelsberg-Sühling 

als PDF zum Download.

Ein neues Jahr ist angebrochen. Wir feiern Gottesdienst von zu Hause aus… und warten auf die Treffen der Virologen und Politiker, die uns sagen werden, wie es mit dem Shut-down und den Gottesdiensten weitergehen wird.

Der Wochenspruch aus Joh 1,14b lässt uns ahnen: wir haben eine Sicherheit, die uns niemand wegnehmen kann: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit.

Lied EG 62

1 Jesus soll die Losung sein, da ein neues Jahr erschienen; Jesu
Name soll allein denen heut zum Zeichen dienen, die in seinem
Bunde stehn und auf seinen Wegen gehen.
3 Unsere Wege wollen wir nur in Jesu Nehmen gehen. Geht uns
dieser Leitstern für, so wird alles wohl bestehen und durch seinen
Gnadenschein alles voller Segen sein.

Im Namen des Vaters, und des Sohnes,
und des heiligen Geistes.
Amen.


Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir beten aus dem Psalm Psalm: 138 (634; 758)

Ich danke dir von ganzem Herzen,
vor den Göttern will ich dir lobsingen.

2 Ich will anbeten zu deinem heiligen Tempel hin
und deinen Namen preisen für deine Güte und Treue; denn

du hast dein Wort herrlich gemacht
um deines Namens willen.

3 Wenn ich dich anrufe,
so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft. 4 Es

danken dir, HERR, alle Könige auf Erden,
dass sie hören das Wort deines Mundes;

5 sie singen von den Wegen des HERRN,
dass die Herrlichkeit des HERRN so groß ist.

6 Denn der HERR ist hoch und sieht auf den Niedrigen
und kennt den Stolzen von ferne.

7 Wenn ich mitten in der Angst wandle,
so erquickst du mich und reckst deine Hand gegen den
Zorn meiner Feinde
und hilfst mir mit deiner Rechten.

8 Der HERR wird's vollenden um meinetwillen. /
HERR, deine Güte ist ewig.
Das Werk deiner Hände wollest du nicht lassen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es
war im Anfang, jetzt und immer dar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Gebet:

Gott, du bist Mensch geworden.
Doch zu oft vergessen wir,
dass du auch Kind und Jugendlicher gewesen bist.
Dir liegt an jeder Generation,
kein Alter ist dir gleichgültig.
Als Erwachsene und Ältere
übersehen wir schon mal die jungen Menschen
mit ihren Wünschen, Ängsten und Hoffnungen.
Wir schreiben viel vor
und laufen dabei Gefahr,

ihre Bedürfnisse zu missachten.
Dabei sollten wir dafür Sorgen,
dass alle Kinder dieser Welt
ihre Zukunft haben dürfen.
Wo wir also nicht genug zugehört und aufgepasst haben,
wo wir nachlässig gewesen sind und vielleicht auch zu stur,
da, Herr, mach uns einsichtig und verständig
und lass uns neu beginnen.
Herr, erbarme Dich. Amen

Als Zusage und Aufforderung die Jahreslosung 2021:

Mich hat das „wie“ fasziniert. Ist das nicht eine Überforderung? So
barmherzig sein wie Gott? Wenn das einer von sich behaupten
würde, würden wir das anmaßend finden.
Andererseits ist es schon logisch: Nichts anderes als die
Barmherzigkeit Gottes sollen wir nehmen und anwenden. So hat es
auch Jesus gelebt und uns gezeigt, wie Gottes Barmherzigkeit geht.

Zur Gestaltung der Jahreslosung ist mir das Kleiner-Gleich-Zeichen
eingefallen: Der Sache nach muss unser BARMHERZIG dem Gottes
gleich sein. Der Quantität nach darf unser BARMHERZIG kleiner sein
als das Gottes. So ergibt sich ein Kleiner-und-Gleich. Wenn wir
anfangen, nur einen Bruchteil der Barmherzigkeit Gottes zu leben,
dann werden wir schon dem Aufruf Jesu entsprechen und Gottes
Willen in der Welt verwirklichen.

Neben das Kleiner-Gleich-Zeichen habe ich daher BARMHERZIG
gestellt – gleich, aber in verschiedener Größe.

Das Kleiner-Gleich-Zeichen enthält auch einen Richtungspfeil: Das
BARMHERZIG Gottes kommt zu uns.

(Gunther Seibold, Dekan im Kirchenbezirk Bernhausen
Pfarrer Kirchengemeinde Bernhausen Süd, Filderstadt)

Lied zur Jahreslosung hier anzuhören (Ev. Kirche im Rheinland):

https://www.youtube.com/watch?v=YsNYPwiU_vM&ab_channel=EvangelischeGemeindeWanheimerort

Wir beten:
Gott unser Vater, staunend stellen wir fest:
ein Kind war König der Könige!
Ein Jugendlicher lehre die Weisen!
Ein junger Mann, kein Feldherr und Herrscher, auch kein Gelehrter,
er schenkte der Welt, was sie in der Tiefe verwandelt.

Gott, du hast jeder Generation eine Zukunft eröffnet,
die es zu gestalten gilt und die sich zu leben lohnt,
seien wir acht oder 80 Jahre alt.

So lass es uns gelingen,
dass wir über alle Altersgruppen hinweg
mehr aufeinander hören und aufeinander achten,
damit keine Generation sich übergangen fühlen muss.

Das bitten wir dich im Namen Jesu Christi;
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert
von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung/ Predigttext: Lk 2,41-52 (Evangelium)

„41 Jesu Eltern zogen jedes Jahr zum Passafest nach
Jerusalem hinauf. 42 Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen
sie den Jungen mit und gingen wieder dorthin, wie es der
Sitte entsprach. 43 Doch als sie sich nach den Festtagen auf
den Heimweg machten, blieb Jesus in Jerusalem, ohne dass
seine Eltern etwas davon wussten. 44 Sie dachten, er sei
irgendwo in der Pilgerschar. Erst nachdem sie eine Tagereise
zurückgelegt hatten, fingen sie an, unter Verwandten und
Bekannten nach ihm zu suchen. 45 Als sie ihn nicht fanden,
kehrten sie nach Jerusalem zurück, um ihn dort zu suchen.
46 Endlich, nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel; er saß
mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und stellte
Fragen. 47 Alle, die dabei waren, staunten über die Klugheit
seiner Antworten. 48 Seine Eltern waren völlig überrascht,
ihn hier zu sehen. »Kind«, sagte seine Mutter zu ihm, »wie
konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich
verzweifelt gesucht.« 49 Jesus erwiderte: »Warum habt ihr
mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines
Vaters sein muss?« 50 Doch sie verstanden nicht, was er
damit meinte. 51 Jesus kehrte mit seinen Eltern nach
Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter
behielt alle diese Dinge im Gedächtnis. 52 Jesus nahm weiter
zu an Weisheit und wuchs zu einem jungen Mann heran.
Gottes Gnade war mit ihm, und die Menschen hatten Freude
an ihm.“

Predigtimpuls

Ich muss zugeben: Jedes Mal, wenn ich diesen Text lese, denke ich
zunächst: “Wie kann man als Eltern einen Zwölfjährigen einen
ganzen Tag lang nicht vermissen?” Als Vater/Mutter wären bei mir
schon längst die Alarmglocken angegangen, wenn ich mein Kind
nicht wenigstens zwischendurch mal gesehen hätte. Sind die beiden
da nicht etwas zu sorglos?

Doch dann erwische ich mich dabei, wie ich selbst über
Helikoptereltern schimpfe und immer wieder versuche, die Freiheit
meiner Kinder nicht zu sehr mit sorgenvoller Enge einzuschränken.
Maria und Josef waren bestimmt keine Rabeneltern, denen der
Verbleib ihres Kindes egal gewesen ist. Sie vertrauen ihrem Sohn,
vertrauen den Menschen, die mit ihnen auf dem Weg sind,
vertrauen dem Leben und wohl auch Gott. Erst als es Abend wird,
wollen sie ihren Jungen wieder einfangen … und merken, dass er
nicht da ist, wo sie ihn vermutet haben. Und sie tun, was jede*r
unter uns tun würde: Sie suchen, machen sich auf den Weg zurück
nach Jerusalem, sicher voller Selbstvorwürfe und Befürchtungen …
Wer schon einmal nach dem eigenen Kind gesucht hat, weiß,
welche Hölle man in diesen Momenten durchmacht. Bei Maria und
Josef sind es ganze drei Tage …

Ganze drei Tage … Natürlich ist das keine willkürliche Zahl. Jesus
verschwindet und taucht nach drei Tagen wieder auf. Das kommt
uns bekannt vor. Zwischen Karfreitag und Ostern liegen ebenfalls
drei Tage. Der Evangelist Lukas spielt hier also schon auf den Tod
und die Auferstehung Jesu an. Irgendwie finde ich das traurig. Da ist
ein Junge von zwölf Jahren, der die Welt entdeckt, der dabei ist,
erwachsen zu werden, der gerade anfängt, sich vom Elternhaus
abzunabeln, dem die Zukunft zu Füßen liegen sollte – und doch ist
sein Weg schon vorgezeichnet, die Zeit, die ihm bleibt, schon
festgelegt, ist das, was er vom Leben erwarten darf, eingebettet in
die Geschichte, die ihn bis ans Kreuz nach Golgatha führt.

Sicher, man kann davon ausgehen, dass die Kindheitsgeschichten
für die Anhänger des neuen christlichen Glaubens und für die ersten
Gemeinden erst im Nachhinein interessant wurden und natürlich so
erzählt wurden, dass sie auf das Ziel schon hinweisen würden. Ich
frage mich dennoch, ob die Kindheit Jesu “normal” gewesen ist, ob
er Freunde hatte, mit denen er spielte, ob er die Höhen und Tiefen
der Pubertät durchgemacht hat, einen ersten Kuss erfahren durfte,
eine Freundin hatte … Leider ist uns bis auf ein paar Verse nichts
über seine Kindheit und Jugend bekannt. Sein Leben konzentriert
sich ganz auf die Jahre, in denen er das Evangelium verkündete …

Das wiederum führt mich zu der Frage, wie wir auf unsere Kinder
schauen. Gerade jetzt in der Corona-Krise blicken viele auch
sorgenvoll auf die junge Generation, die mit den Folgen der
Pandemie nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft wird leben und
umgehen müssen. Wird sie den ausgefallenen Schulunterricht
kompensieren können oder werden die Lockdowns sich negativ auf
ihre Berufsaussichten auswirken? Werden sie jemals wieder
unbeschwert miteinander feiern, einander begegnen können oder
wird das Physical Distancing auch zu einer sozialen Distanz führen?
Ein ältere Dame aus einem Seniorenheim, die mit zu den ersten
Geimpften zählte, äußerte im Fernsehn den Wunsch, dass sie noch
erleben wolle, wie die Jungen wieder ein normales Leben führen
können. Erst dann ist sie bereit diese Welt zu verlassen. Zu der
Unsicherheit der Gegenwart gesellt sich also die der
Zukunft. Manche sind sehr pessimistisch, machen sich schwere
Gedanken um den Nachwuchs und zeichnen ein düsteres Bild.
Andere sehen die Pandemie als eine Herausforderung unter vielen,
die es zu jeder Zeit gegeben hat … und der man sich stellen wird. Es
scheint, als wären viele auf der Suche nach einer verloren
geglaubten Generation, weil niemand sagen kann, wohin sie ihre
Zukunft führen wird. Und das macht Angst …

Dass Maria und Josef ihren Sohn im Tempel finden, mag sie
verwundern, uns kann es nicht überraschen. Wir kennen schließlich
das Wesen dieses jungen Menschen, blicken zurück und nicht nach
vorn. Wir wissen also, wo er hingehört.

Doch was ist mit unseren eigenen Kindern? Werden sie in einer sich
verändernden Welt diesen Ort finden, an dem sie sich zu Hause
fühlen können? Und können wir ihnen ein solcher Ort sein?

Wir wissen, wie schwer es ist, die junge Generation für die Kirche zu
begeistern. Am ehesten werden wir ihr aber gerecht werden, wenn
wir wie die Schriftgelehrten im Tempel sie ihre Fragen stellen
lassen, ihnen zuhören und sie mit ihren Antworten ernst nehmen.
Vielleicht werden wir nicht alles verstehen und nachvollziehen
können, vielleicht mag uns manches absonderlich und verrückt
erscheinen. Aber es ist schließlich ihre Zukunft, die sie erwartet, es
ist ihr Leben, mit dem sie klar kommen müssen. Wir sollten ihnen
also mehr Vertrauen entgegenbringen, als wir es vielleicht bisher
getan haben. Auch wenn sie nicht da sind, wo wir es von ihnen
erwarten.

So ist die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel nicht nur
eine weitere Erzählung von der wundersamen Menschwerdung
Gottes. Darüber hinaus weist sie mich an unsere eigenen
Zwölfjährigen, an all jene, von denen wir diese Welt nur geliehen
haben. Vielleicht liegt ja in dieser Krise auch die Chance,
nachhaltiger und behutsamer mit Gottes Schöpfung und mit seinen
Geschöpfen umzugehen. Und ein offeneres Ohr für jene zu haben,
die nach uns leben werden. (nach: ePistel zum Tag)

Amen.

Lied EG 61

1 Hilf Herr Jesu, lass gelingen, hilf, das neue Jahr geht an; lass es
neue Kräfte bringen, dass aufs neu ich wandeln kann. Neues Glück
und neues Leben wollest du aus Gnaden geben.
2 Was ich sinne, was ich mache, das gescheh in dir allein; wenn ich
schlafe, wenn ich wache, wollest du, Herr bei mir sein; geh ich aus,
wollst du mich leiten; komm ich heim steh mir zur Seiten.
4 Herr, du wollest Gnade geben, dass dies Jahr mir heilig sei, und ich
christlich könne leben ohne Trug und Heuchelei, dass ich noch allhier
auf Erden fromm und selig möge werden.

Wir beten:

Herr!
Wir bitten dich,
dass wir trotz der Corona-Krise
offen bleiben für das Gute und Schöne in dieser Welt,
für deine Wunder,
die täglich geschehen,
für neue Begegnungen,
die uns neue Erfahrungen bescheren.

Wir bitten dich,
dass wir ein Auge haben auf die Schwachen unserer Gesellschaft,
dass wir uns nicht vor den Sorgen anderer verschließen,
sondern Mut zum Leben machen,
indem wir teilen,
was wir entbehren können,
dass uns gelinge, immer mehr barmherzig zu sein, wie Du es bist.

Wir bitten dich,
dass wir deinen liebevollen Blick wahrnehmen können,
dass wir uns von dir begleitet fühlen,
dass wir darauf zu bauen wagen, dass Deine Barmherzigkeit auch
uns gilt,
dass du uns nicht aus den Augen verlierst,
selbst dann, wenn wir dich nicht wahrnehmen.
Amen.

Vater unser im Himmel…

Segen:

Und Gott segne und behüte Dich, er lasse sein Angesicht
leuchten über dir und sei dir gnädig, er hebe sein Angesicht auf
Dich und schenke Dir Frieden.
Amen,