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Got­tes­dienst zum 31. Ok­to­ber

von Pfarerin Dagmar Spelsberg-Sühling und Prädikantin Esther Sühling als PDF zum Download.

Biblisches Votum:
Das Fundament ist bereits gelegt, und niemand kann je ein anderes legen. Dieses Fundament ist Jesus Christus.
1. Korinther 3, 11

Hinführung:
Heute ist Reformationstag. Martin Luther hat damals in seinem Thesenanschlag 1517 einem Christentum den Kampf angesagt, das Menschen klein, verschreckt und unfrei gemacht hat.
Gottes Liebe und Zuwendung kann man sich nicht mit Spendengeldern kaufen und nicht mit dem Befolgen irgendwelcher Vorschriften. Sie ist uns frei geschenkt, als eine Kraft, die selig macht und stark. Damals hat seine Kirchenkritik und sein „Hier stehe ich und kann nicht anders“ eine Veränderung des Denkens und dann eine Trennung der Kirche heraufbeschworen, in die Protestanten und die „Altgläubigen“.

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht bei Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 46
Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in den großen Nöten,
die uns getroffen haben.
Darum fürchten wir uns nicht,
wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken,
wenngleich das Meer wütete und wallte
und von seinem Ungestüm die Berge einfielen
Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein,
da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.
Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben;
Gott hilft ihr früh am Morgen.
Die Völker müssen verzagen und die Königreiche fallen,
das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt.
Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Ein feste Burg ist unser Gott

Das Bibelwort heute ist der Beginn des wichtigsten Gebets der Juden, dem „Höre, Israel“

Bibelwort 5. Mose 6, 4-9
4 Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. 5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. 6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen 7 und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. 8 Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, 9 und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.

Ein feste Burg ist unser Gott

  1. Ein feste Burg ist unser Gott
    Ein feste Burg ist unser Gott,
    ein gute Wehr und Waffen.
    Er hilft uns frei aus aller Not,
    die uns jetzt hat betroffen.
    Der alt böse Feind
    mit Ernst er’s jetzt meint,
    groß Macht und viel List
    sein grausam Rüstung ist,
    auf Erd ist nicht seinsgleichen.
  2. Mit unsrer Macht ist nichts getan,
    wir sind gar bald verloren;
    es streit’ für uns der rechte Mann,
    den Gott hat selbst erkoren.
    Fragst du, wer der ist?
    Er heißt Jesus Christ,
    der Herr Zebaoth,
    und ist kein andrer Gott,
    das Feld muss er behalten.
  3. Und wenn die Welt voll Teufel wär
    und wollt uns gar verschlingen,
    so fürchten wir uns nicht so sehr,
    es soll uns doch gelingen.
    Der Fürst dieser Welt,
    wie sau’r er sich stellt,
    tut er uns doch nicht;
    das macht, er ist gericht’:
    ein Wörtlein kann ihn fällen.
  4. Das Wort sie sollen lassen stahn
    und kein’ Dank dazu haben;
    er ist bei uns wohl auf dem Plan
    mit seinem Geist und Gaben.
    Nehmen sie den Leib,
    Gut, Ehr, Kind und Weib:
    lass fahren dahin,
    sie haben’s kein’ Gewinn,
    das Reich muss uns doch bleiben.

Gedanken zum Weiterdenken:
Das Lied damals
1529 hat Martin Luther dieses Lied verfasst, im Glaubens-Streit mit den „Altgläubigen“ um die Gewissensfreiheit, gegen die Pest und den Ansturm der Osmanen. Es war wahrlich keine ruhige Zeit.
Während aussen der Kampf ums Überleben droht, ist ihm
Gott auch innerlich wie eine Burg. Verteidigung, Rückzug, Schutz. Ein Ort des inneren Ringens und der Geistesklärung.
Eine Burg ist kein Angriffsinstrument, sie dient nicht der Eroberung, sie dient dem Leben und dem Schutz.

Das Lied stärkte, es gefiel. Es wurde ein Volkslied.
Es wurde das Kampflied der Bauern, gegen die Fürsten,
und Luther, der erst für die Bauern war, stellte sich gegen sie, da er glaubte, dass nur die Fürsten den Fortgang der Reformation und die Freiheit des Glaubens sichern konnten.
Es wurde eine Marseillaise der Reformation – schrieb Heinrich Heine –
Man sang es gegen die Juden, die leider auch Luther mit Hass überzog,
und es fehlte fortan in kaum einem Liederbuch für Soldaten.
Ja, Feinde gab es viele, und zu fürchten gab es auch viel – je nach Standpunkt.
Die Feinde – das waren dann im deutsch französischen Krieg 1870/71 die Franzosen. Und als der Krieg gewonnen war, sang man in Paris: Nun danket alle Gott
Im ersten Weltkrieg immer wieder gesungen,
und auf Feldpostkarten abgebildet: der alt böse Feind, das waren da wieder die Franzosen.
Ein englischer Soldat berichtete: Es war so schwer, das Gewehr auf eine Masse Deutscher zu halten, die dieses Lied sangen, als sie angriffen.
Die hitlertreuen Deutschen Christen UND die Mitglieder der bekennenden Kirche sangen es als Bekenntnisruf gegeneinander.
Die Großmutter einer Bekannten sang das Lied immer lauthals, wenn ihr in Nazideutschland die Nazis begegnet sind.

Das Lied schenkte die Gewißheit, auf der richtigen Seite zu kämpfen: mit Gott.

Auch ein tiefer Glaube oder ein gläubig gesungenes Lied kann vom Bösen benutzt werden. Das ist ja das teuflische. Der Teufel argumentiert manchmal mit der Bibel. Sagt die versuchungsgeschichte Jesu.

Also: Immer wieder wachsam sein, unterscheiden, was dem Leben dient, und dafür streiten.
Luther hat in seiner Zeit wesentlich die Reformation der Kirche im Blick gehabt, die Leibeigenschaft der Bauern und ihre ungerechte Situation hat er verkannt. Heute sehen wir das anders. Und auch sein Judenhass war eindeutig falsch.

Aber auch wenn es missbraucht werden kann:
Das, was Luther stark machte, war seine Gewißheit: Das Böse – der Fürst dieser Welt – kann uns nichts anhaben, denn Jesus hat ihn besiegt. So kann er/ können wir über das Böse lächeln, auch wenn es im vorletzten, hier auf der Welt, noch Schaden anrichtet und wir auf der Hut sein müssen.
Unsere Seele kann es nicht beschädigen. Der Böse ist nur Fürst dieser Welt! Nicht Fürst des Himmels!
Und der Fürst ist dem König untertan.

Das Lied heute:
„Mit unserer Macht ist nichts getan“ – das erinnert mich an das 12 Schritte Programm der anonymen Alkoholiker. 1935 entstand diese Selbsthilfegruppe, die bis heute effektiv gegen den Alkoholismus vorgeht.
Hier ein Auszug:

  1. Schritt
    Wir geben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.
  2. Schritt
    Wir kommen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.
  3. Schritt
    Wir fassen den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir Ihn verstanden – anzuvertrauen.
    ….
  1. Schritt
    Wir suchen durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott – wie wir Ihn verstehen – zu vertiefen. Wir bitten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn auszuführen.
  2. Schritt
    Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt haben, versuchen wir, diese Botschaft an Alkoholiker weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten.

Sich selbst mit einer Burg zu verwechseln, die uneinnehmbar ist, sich vor sich selbst und vor anderen zu verbarrikadieren, das führt meist ins Desaster. Der böse Feind sitzt schon im Innern.

Die letzte Strophe betont: egal was uns im Außen geschieht – Gottes Reich wird bleiben.
Leid kann uns viel geschehen, Leid können wir auch anrichten. Aber die Seele, die ist frei und mit Gott verbunden. Die kann uns niemand nehmen.

In einer kurzen Stille sind wir geladen, innezuhalten, unsere Gedanken, unser Beten und Bitten vor Gott zu bringen. Vielleicht mögen Sie nocheinmal das Lied hören:
Ein feste Burg ist unser Gott

Mit Jesus Beten:
Vater unser im Himmel. / Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. / Dein Wille geschehe wie im Himmel, / so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute. / Und vergib uns unsere Schuld, / wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. / Und führe uns nicht in Versuchung, / sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft / und die Herrlichkeit in Ewigkeit. / Amen.

Segen:
DU Gott des Aufbruchs
Segne uns,
wenn wir dein Rufen vernehmen,
wenn deine Stimme lockt,
wenn dein Geist uns bewegt
zum Aufbrechen und Weitergehen.

DU Gott des Aufbruchs,
begleite und behüte uns,
wenn wir aus Abhängigkeiten entfliehen,
wenn wir uns von Gewohnheiten verabschieden,
wenn wir festgetretene Wege erlassen,
wenn wir dankbar zurückschauen
und doch neue Wege wagen.

DU Gott des Aufbruchs
Wende uns dein Angesicht zu
Wenn wir Irrwege nicht erkennen,
wenn uns Angst befällt,
wenn Umwege uns ermüden,
wenn wir Orientierung suchen
in den Stürmen der Unsicherheit.
DU Gott des Aufbruchs,
sei mit uns unterwegs zu uns selbst,
zu den Menschen, zu dir.

Lied: Nada te turbe

Nada te turbe, nada te espante
Quien a Dios tiene, nada le falta
Nada te turbe, nada te espante
Solo Dios basta

Durch nichts lass dich stören,
nichts dich erschrecken,
wenn Gott zu dir hält,
fehlt dir nichts
Allein Er genügt.