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Gottesdienst zum 21. März

von Pfarrerin Dagmar Spelsberg-Sühling als PDF zum Download.

Der Wochenspruch für die heute am Sonntag beginnende Woche lautet: (Matthäus 20,28)
Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben.

Judika heißt der heutige Sonntag: Herr schaffe mir Recht.
Noch zehn Tage sind es bis zum Karfreitag, dem Tag seines Todes am Kreuz.
Unsere Erfahrungen von Leid und Belastung, von Anfechtung, Schuld und Zweifel können wir vor Gott bringen. Wir sind – auch mit unserer Mühsal und Beschwerde in Gottes versöhnende Gemeinschaft eingeladen.
Und so beginnen wir diesen Gottesdienst, mit Anzünden einer Kerze, mit einer kurzen Stille, in der Sie sich selbst und Ihre eigene Situation wahrnehmen können, mit allem, was sie ausmacht.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Ich lade Sie ein, mitzusingen: Liebster Jesu wir sind hier… Link: https://www.youtube.com/watch?v=RVAQC3G4cKg&ab_channel=GeistlicherLiederschatz

1. Liebster Jesu, wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören; Lenke Sinnen und Begier / auf die süßen Himmelslehren, Daß die Herzen von der Erden / ganz zu dir gezogen werden.

2. Unser Wissen und Verstand / ist mit Finsternis umhüllet, Wo nicht deines Geistes Hand / uns mit hellem Licht erfüllet. Gutes denken, Gutes dichten / m usst du selbst in uns verrichten.

3. O du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht aus Gott geboren, Mach uns allesamt bereit, Öffne Herzen, Mund und Ohren! Unser Bitten, Flehn und Singen / laß, Herr Jesu, wohl gelingen!

4. Vater, Sohn, Heiliger Geist, Dir sei ewig Preis und Ehre! Tröst die Herzen allermeist / mit dem Wort der reinen Lehre Hier in diesen Sterblichkeiten, bis wir dort dein Lob ausbreiten.

Psalmgebet Psalm: 43 (278; 723)
1 Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache
wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
2 Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?
3 Sende dein Licht und deine Wahrheit,
dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
4 dass ich hineingehe zum Altar Gottes,
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Ich lade Sie ein zu singen / oder mitzusingen:
Sende Dein Licht und Deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Wohnung und ich dir danke, dass Du mir hilfst.
Link: https://www.youtube.com/watch?v=DQt_1aQervQ&ab_channel=Kirchenmusiker

Ich lade Sie ein zu beten:
Wo Menschen leiden, Herr, schauen wir nicht gerne hin.
Dass Menschen bei uns in Coronazeiten ohne eine Hand, die sie hält, gestorben sind, wollen wir am liebsten gar nicht wissen.
Gott,
Lehre uns, nicht davonzulaufen.
Lehre uns, auszuhalten.
Lehre uns, zu wachen und zu beten.
Lehre uns, dein Leiden zu bedenken und darin nach dem Leben zu suchen.

Ich lade Sie ein zu singen:
Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet, wachet und betet.
Link: https://www.youtube.com/watch?v=Ie5XpaxYMy4&ab_channel=ErwachsenenbildungEv.KirchenkreisSiegen

Christus hat den Tod überwunden, damit wir vertrauen haben und hindurchschauen können auf das Reich der Hoffnung und des Friedens, mitten im Leid!

Ich lade Sie ein zu beten:
Herr Jesus Christus, am Kreuz warst du mit uns solidarisch bis in den Tod.
Du teilst alles, was uns bewegt.
In guten wie in schlechten Zeiten lässt du uns nicht fallen.
Deine Treue will uns vor dem Aufgeben bewahren.
Hilf uns, das zu erkennen und daraus Mut zu schöpfen!
Hilf uns, das zu leben
und es zu einer frohen Botschaft für uns und dann für andere werden zu lassen.
Damit dein Reich komme. Jetzt! Und in Ewigkeit!

Der Lesungstext für heute steht bei Markus 10, 35-45
35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. 36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? 37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? 39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; 40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.
41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Ich lade Sie ein, das Glaubensbekenntnis zu sprechen
Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.
Empfangen durch den Heiligen Geist. Geboren von der Jungfrau Maria. Gelit- ten unter Pontius Pilatus. Gekreuzigt, gestorben und begraben. Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Am dritten Tage auferstanden von den Toten. Aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche. Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Unser Predigttext steht bei Hiob, Kapitel 19,19-27 19
Alle meine Vertrauten verabscheuen mich, und die ich liebte, haben sich gegen mich gewandt. 20 An meiner Haut und meinem Fleisch klebt mein Gebein, und ich habe kaum noch Haut, um meine Zähne zu behalten. 21 Erbarmt euch, erbarmt euch doch über mich, ihr, meine Freunde, denn die Hand Gottes hat mich getroffen! 22 Warum verfolgt ihr mich ebenso wie Gott und werdet nicht satt, mich zu zerfleischen? 23 O dass doch meine Worte aufgeschrieben, o dass sie doch in ein Buch eingetragen würden, 24 dass sie mit eisernem Griffel und Blei für immer in den Felsen gehauen würden: 25 Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er sich über den Staub erheben. 26 Und nachdem diese meine Hülle zerbrochen ist, dann werde ich, von meinem Fleisch los, Gott schauen; 27 ja, ich selbst werde ihn schauen, und meine Augen werden ihn sehen, ohne [ihm] fremd zu sein. Danach sehnt sich mein Herz in mir!

Friede sei mit Euch von dem der da ist, und der da war, und der da kommt. Amen

Gedanken zum Predigttext
Hiob … schon allein der Name lässt bei jenen, die sich ein wenig mit biblischen Geschichten auskennen, ein leichtes Unwohlgefühl aufkommen.
Hiob, diese Figur im weisheitlichen Buch gleichen Namens steht für unschuldiges, unendliches Leid und für die Frage aller Fragen: Warum es dieses Leid überhaupt gibt, wenn doch Gott der Herr der Welt ist. Es sind Fragen, die Sie sich sicher schon einmal gestellt haben – in mehr oder weniger leidvollen Momenten … Fragen, die an das tiefste Urvertrauen rühren und uns das Gefühl von Sicherheit nehmen, das wir uns im Leben so sehr wünschen und versuchen aufzubauen.
Hiob steht für alles, das uns den Boden unter den Füßen wegreißen kann.
Meist verdrängen wir, dass es jede/n unter uns jederzeit treffen kann.
Und das es oft keinen Sinn ergibt, warum wer ausgerechnet in diesem Moment vom Leben herausgefordert wird.
Sicher, es gibt Leid, das Schuldige kennt … Menschen, die anderen etwas antun, Wunden schlagen. Aber warum sie das tun, warum sie so geworden sind, das bleibt uns oft verborgen. Ebenso wie die Antwort auf die Frage, warum Gott das Leid überhaupt zulässt.
Wieso es das gibt.

Dieses Thema gehört in die Passionszeit. Und wir begehen die Passionszeit, weil das Leid, das wir erleben, nicht abgespalten werden soll, weggedrängt, vergessen, und dann in unserer Tiefe gären muss.
Wir können und wollen und sollen uns der Passionsgeschichte nicht entziehen. Ebensowenig wie wir uns dem Leben und seinen Herausforderungen entziehen kann.
So wie Hiob seinem Schicksal begegnen muss.
Und es in bewundernswerter Weise auch tut!
Er fordert Erklärungen! Gott soll sich für das, was er erleiden muss, rechtfertigen. Für dieses Ziel nimmt er sogar in Kauf, sein Leid der Öffentlichkeit preiszugeben.
Zur damaligen Zeit in Hiobs Kulturkreis wurden Schicksalsschläge mit Vergehen der Betroffenen oder deren Vorfahren erklärt. Da kann man sich vorstellen, welches Befremden Hiobs Anklagen und Forderungen auslösen: “Alle meine Vertrauten verabscheuen mich, und die ich liebte, haben sich gegen mich gewandt.”
Wie einsam muss er sich fühlen …?!
Immerhin drei Freunde bleiben ihm treu, auch wenn Sie ihn nicht wirklich verstehen …

Und dann kommt der Satz, weshalb dieser Text zu einem Predigttext in der Passionszeit wurde: “Ich weiß, dass mein Erlöser lebt …” Ich werde ihn schauen.

Gestern habe ich einen Vortrag gehört von Viktor Frankl. Er ist 1997 gestorben und hat das Konzentrationslager überlebt, indem er fest an den Sinn seines Lebens geglaubt hat, sich einen Sinn gesucht hat, der ihn überleben ließ. Er wurde danach der Begründer der Logotherapie, einer Therapierichtung, die die Suche nach einem Sinn als das Wesentliche von uns Menschen sieht. Der Vortrag hieß „von der Trotzkraft des Menschen“.
Es sei, so sagte Frankl, nicht anders zu denken, dass es einen über das jetzige Leben hinausgehenden Sinn unseres Lebens gibt, denn warum sonst gäbe es die Sehnsucht danach? Und dieser Sinn lässt uns leben und über uns selbst hinauswachsen, allen Widerständen zum Trotz.
Frankl hat viel mit Menschen gearbeitet, die nur noch Leere gespürt haben, die Nahe am Selbstmord waren, und konnte viele Geschichten von Heilung erzählen.

Hiob hält fest am Sinn seines Lebens gegen allen Augenschein und bringt etwas aus dem Noch nicht gewordenen, dem Raum der Zukunft, dem Reich Gottes, ins Jetzt. Er wird, so geht die Geschichte weiter, in einem Gebet Gottes Nähe und Größe erfahren, und sich gesehen fühlen. Gott wird das Leid nicht erklären, er wird nicht Hiobs Fragen beantworten, doch Hiob begreift, dass er zu klein ist, die Antworten zu verstehen.
Gottes Nähe zu spüren, nicht verlassen zu sein in all dem, wird ihn versöhnen, überwältigen, ja, ein Stück heilen.

Dieser Sonntag heißt “Judika”. Der Name leitet sich ab von der lateinischen Übersetzung eines Verses aus Psalm 43: “Judika me, Deus” … Gott, schaffe mir Recht! Hiob könnte ihn gebetet haben. Immerhin wendet er sich nicht von Gott ab! Auf seine Weise bleibt er ihm treu. Insofern hat der Satan seine Wette mit Gott in der Tat verloren. Denn Hiob hat nicht aufgegeben. Weder sich noch seinen Gott.
Und er hat erfahren: Leid kann uns nicht trennen von Gottes Liebe. Und so wird Paulus schreiben im Römerbrief: nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, weder Mächte noch Gewalten Kein Leid, kein Tod. Nichts.
Amen

Ich lade Sie ein zum hören oder Mitsingen: Korn, das in die Erde….

Link: https://www.youtube.com/watch?v=GrZYJuMiimg&ab_channel=MusikUerdingen

Liedtext:
Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Wir halten Fürbitte:

Verborgener Gott, den es nicht gibt, wie es etwas geben kann,
du bist nicht dort, wo wir dich zu wissen meinen.
Doch geschiehst du, wo wir dich vermissen.

Erweise deine Nähe,
wo nichts und niemand mehr nah ist,
wo es nichts mehr zu hoffen gibt,
wo Lebensgerüste zerfallen.

Erweise deine Nähe,
wo Worte und Verstehen enden,
wo das Wort „Gott“ nichts mehr sagt,
wo der Glaube ins Offene fällt.

Erweise deine Nähe,
wo das Elend zu groß ist, um es zu begreifen,
wo das Dunkel ohne Widerspruch regiert,
wo die tiefe Nacht alle Gewissheiten raubt.

Erweise Deine Nähe, wo der Tod den Abschied von allem fordert und Menschen zwingt, sich selbst zu verlassen.

Erweise Deine Nähe, wo Menschen selbstlos lieben und das Gute tun,
ohne es sich anzurechnen,
ohne sich besser als andere zu fühlen,
weil sie dir allein in sich Raum geben.

Erweise Deine Nähe, wo du fern bist,
bei denen, die sich selbst überheben,
die andere dem eignen Vorteil opfern,
die keine Gnade und keine Vergebung kennen.

Verborgener Gott,
du fehlst uns, und wir ahnen doch,
dass du uns näher bist, als wir es fassen, näher als wir uns selbst.
So werden wir still vor dir:

Wir nehmen uns einige Atemzüge Zeit und lesen dann erst weiter.
Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt
und als der letzte wird er sich über den Staub erheben.
Ich selbst werde ihn sehen,
meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder.
So beten wir,
wie Christus uns gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
Geheiligt werde Dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Übel
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit
AMEN.

Segen für Sie und Dich:
Gott, der Dich wollte und ins Leben rief, segne Dich und behüte Dich
Christus, der mit Dir geht in deinen dunklen und hellen Tagen sei als Ratgeber Dir zur Seite,
Die Geistkraft, die um Dich ist, tröste und leite Dich.

Amen